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Zeitgenössische Berichte aus der Umgebung Ober-Hollabrunns über die Kriegsjahre 1805 und 1809. Einleitung


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1809.

Der Krieg mit den Franzosen begann abermals im Jahre 1809. Der Marsch ging von Seiten Österreichs rasch durch Bayern, und es kam zu Regensburg zu einer Hauptschlacht, die aber für Österreich unter Anführung des Generalissimus Erz­herzog Karl K. H. unglücklich ausfiel, so daß der größte Theil unserer Armee nach Böhmen retirierte, und nur ein kleines Chor über Krems herüberging, indessen die Franzosen so zu sagen in Eilmärschen nach Wien zu eilten, welches sie nach einem Bombartment von einigen Stunden einnahmen. Jetzt kam auch unsere Armee aus Böhmen, und lagerte sich dießseits der Donau außer Wien. Der Feind zoch sich in die Insel Lobau, um von da über die Donau zu setzen. Bei dieser Gelegenheit entspann sich eine Hauptschlacht, wo die zum Streite auf­gestellten Franzosen furchtbar litten, und ihre Reserve durch Wegreißung ihrer Communicationsbrücke sammt ihrem Anführer Napoleon dem Untergang ihrer Kameraden schmerzlich zusehen mußten, und zwischen zwey Donau Armen durch mehrere Tagen mit dem äußersten Mangel rangen. Da jubelte alles bey uns, daß endlich einmal der stolze Held gedemüthigt sey. Allein diese Freude dauerte nur einige Wochen, wo bey einer 2te  Schlacht die österreichischen Heere weichen mußten.



Nun begannen Schrecken, Unglück und Noth. Unsere Armee retirierte auf der Brünner und Prager Straße in Masse, da wurde auf den schönsten zum Schnitt schon reifen Korn­feldern gelagert, und alles zertretten. Bey dieser Retirade nahm der kommandierende Generalissimuß Seiner Kaiserliche Hoheit Erz­herzog Karl, Bruder Seiner Mayestät Kaiser Franz im hiesigen Pfarrhof sein Quartier. Mehr als 50 Grenadiere lagerten im Hofe als Leibwache, welche schon durch 3 Tage nichts zu essen hatten, und auf den folgenden vertröstet wurden, und doch blieb alles auch das Federvieh im Pfarrhofe unangerührt. Am andern Tag als den 8ten July kamen seine Mayestät selbst schon früh von Oberhollabrunn seinen erhabenen Bruder zu besuchen. Sie redeten durch mehr als eine Stunde allein, worauf der Monarch wieder nach Oberhollabrunn zurückkehrte, wohin ihm am Abend der Generalissimus folgte. Jetzt waren die Franzosen schon bis Stockerau vorgedrungen, und so weit man sehen konnte brandten allenthalben die Ortschaften. Man denke sich die Angst, in der wir diese Nacht zubrachten. Die meisten Leuthe flüchteten in die Wälder und Seiten Örter. Hier blieben kaum 10 Haus Väter. Am andern Tag früh gegen 7 Uhr des 9ten Julius sprengten die ersten Franzosen auf den Platz, und nach einigen Pistolenschüssen rückten einzelne Mannschaft nach, ich mußte ein Thor am Schwibogen öffnen, man forderte Wein und Brod, welches ihnen gereicht wurde, aber bald drang Infanterie und Reiterey so zahlreich ein, daß in weniger als einer halben Stunde mehr als 6 Eimer Wein von mir in dem Keller ausgeschenkt, und aus der Küche wohl 100 Personen verpflegt wurden. Bei dieser Gelegenheit mußte ich Augen Zeuge seyn, wie ein bayrischer Soldat all meinen weißen Tisch, und Leinen Zeich im Keller fand, und davon trug. Als der Wein gar war, ließ man mich aus dem Keller, und itzt forderte man Hemden und Tücher, ich gab, so lange ich hatte, und führte zuletzt selbst einen Soldaten in das Zimmer, um den leeren Kasten zu zeigen. Nur ein Hemd, und zwei Tücherl behielt ich zur Vorsicht für mich zurück. Als nun Brot und Wein, und alles Gekochte verzehrt, und ich von meiner Tisch, Bett, und Leibwäsche rein ausge­plündert war wurde mir der französische Marschall Massena mit noch 15 Officiers als Quartier angesagt, und weil man keine Stunde bestimmen konnte, wurde sogleich zu kochen angefangen. Jetzt war Wache und Gendarmerie vor dem Pfarrhof, und im Jnnern alles ruhig. Den nöthigen Wein verschaffte der Hofbinder. Kaum war abgekocht, so wurde der Marschall abgesagt, aber statt ihm aßen die bereitete Mahlzeit die Herren Generals und Officiers, wie diese fort waren, wurde der Marschall neuerdings angesagt, und neuer­dings gekocht, abermals abgesagt, und von Officiers verzehrt, und so geschah es fünfmal, bis endlich abends der Marschall zum 6ten mal angesagt wurde, und für ihn gekocht wurde, wo er denn mit seiner Suite ankam. Dieser Mann ist der Trotz und die Rohheit selbst. Nichts konnte er weniger anhören als das Wort: ich bitte, und so mußte man sich selbst von seinen Dienstleuthen alles gefallen lassen, und noch mit der höflichsten Art umgehen. Da ich kein gewaschenes Tischzeuch hatte, mußte ich mitten durch die Franzosen gehen, und im Markte etwas borgen, wo ich beym Schullehrer und Hofbinder ein Tischtuch, und einige Servietten bekam, und mit Gefahr nach Hauß brachte. Um Brod ging eine Wache mit mir zum Bäcker, wo ich es brennend heiß aus dem Ofen bekam. Diese ganze Nacht wurde zu ebener Erde von den französischen Officiers gegessen, und getrunken, und da ich am andern Morgen bey allen Bitten weder eine Sauve Gard, noch einen Gensdarm erhalten konnte, beschloß ich mit allen meinen Leuthen nach dem Abmarsch des Marschalls den Pfarrhof zu verlassen, ich schickte eines nach dem andern fort. H. Exinger Kaufmann von hier nahm die meisten liebreich auf, ich und meine Dienstleuth flüchten zum H. Hofbinder. Als das Marschieren etwas aufhörte, glückte es etwas Federvieh, und beide Kühe zu retten, alles übrige wurde eine Beute der Feinde, welche, da sie niemand im Pfarrhofe antrafen nun nach Belieben walteten. Kirche Sakristey, Archiv, alles wurde gewaltsam erbro­chen, und was nicht verborgen war theils geraubt, theils zerrissen, nur Protokolle, und Grundbücher blieben unversehrt. Vierzichtag erflossen, ohne daß jemand im Pfarrhof bleibend war. Man kann sich also leicht denken, welcher Muthwillen von den immer einzeln durchziehenden feindlichen Truppen verübt wurde. Stroh, Schriften, Bücher, Meßkleider, welche entweder zerrissen, oder der Borten beraubt waren und selbst aller Art Unrath lag über­all untereinander. Da muß ich auch aufrichtig bekennen, daß in meinem Pfarrhof an Einrichtungen nichts muthwillig zerstört wurde, nicht einmal ein Fenster war eingeschlagen, auch blieben wir von Feuer befreit. Bey Znaym wurde abermals eine Schlacht gewagt, und während selber ein Waffenstillstand unterhandelt, und zu Stande gebracht. Nun brach die Französische Armee auf, um ihre österreichischen Quartiere bis nach abgeschlossenen Frieden zu beziehen. Nun war es mit Plünderungen ruhiger, aber desto kostspieliger waren die Einquartierungen, nicht nur, daß von den Gemeinden für die Officier alles nach ihrem Ver­langen, mußte herbeygeschafft werden, so forderten sie auch für die gesammte Mannschaft alle Gattungen von Kleidungs­stücken, und mußten ihnen selbe umsonst abgereicht werden. Dadurch geriethen alle Gemeinden in drückende Schulden, unser Markt Göllersdorf allein hatte, nebst dem daß jeder einzelne Bürger seine Lasten zu tragen hatte, eine Schulden Last von einigen 20 tausend Gulden; denn die Franzosen blieben bey uns bis Weihnachten. Jetzt suchte nun jeder wieder seine Sachen in Ordnung zu bringen, das vergrabene, vermauerte, versteckte wurde hervorgesucht, aber da jammerte mancher, wenn er seine Habseligkeiten halb vermorscht fand, und fast eben nicht mehr davon hatte, als wo der Feind es gefunden, und geraubt hatte. So wie die Franzosen aus dem Lande waren, stieg alles, was man ansah, bis zum Erstaunen im Preis. Die Ursachen hievon waren Theils der Wucher, Theils so sehr gesunkene Preis der Banko Zettl, wovon man im Jahre 1810 um 100 fl. klingende Silber oder Gold Münzen zu erhalten 1000 bis 1200 fl. in Banko Zettl bezahlen mußte. Der Dukaten wurde über 50 fl. B. Z. bezahlt, und das 20 kr. Stück zu 4 fl. B. Z. Hingegen kostete auch ein paar Stiefel 50 fl. ein paar Schuh 12 14 fl. Der Eimer zweyjariger Wein 70 fl. Das Getreide der Metzen bis 50 fl. der Waitzen 70 fl. Gerste über 40 fl. und der Haaber über 30 fl.

Ich mußte zu meinem höchst nöthigen standesmäßigen Bedarf täglich 10 fl. in die Fleischbank schicken, der geringste Dienst­both hatte bei 100 fl. Es fragt sich, wie solche Leute, welche nichts zu verkaufen hatten, und alles kaufen mußten, damals haushalten konnten? Antwort. Alle Waaren Verfertiger, und Verarbeiter, alle Händler stiegen nach Verhältnis des Werthes des Papiergeldes im Preis, und die Handwerksburschen in ihrem Taglohn, so hatten Maurer, und Zimmerleute täglich nebst guter Kost, und 2 Maß Wein über 4 fl. B. Z. und so verhältnismäßig der Tagwerker. Beamte sowohl kayserliche als herrschaftliche erhielten erstere vom Landesfürsten, letztere von ihren Herr­schaften beträchtliche Zulagen. Aber wie sah es mit der Geistlichkeit aus, die weder Zehende, noch Wirtschaften hatten? Auf diese wurde nicht gedacht. Man kann sich daher bei diesem fast unglaublichen Preis aller Dinge das Elend vor­stellen, das ich, und so viele meiner Mitbrüder durch eine geraume Zeit ertrugen, indem nicht einmal die Stollgebühren höher zu nehmen öffentlich angeordnet wurde.

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Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Gross Stelzendorf.
„Unter seiner (des Pfarrers Ignaz Weigl) Anwesenheit in Gross Stelzendorf ist weiter nichts Merkwürdiges vorgefallen, als daß er 2 mal die feindliche französische Invasion 1809 und 1809 ausstehen mußte, wo er sehr viel gelitten, mit den Pfarr­kindern in den Wald geflohen und sich allda eine Zeitlang, bis zum Waffenstillstand aufhalten mußte, und das erleben mußte, daß 3 Hausbesitzer, die ihren Häusern nachsehen wollten beim

Friedhof erschossen worden, weil die Franzosen sie für Spione gehalten haben. Jedoch muß ich (Josef Küstner Pfarrer) dies noch sagen, daß während seinem Aufenthalte im Walde die Franzosen in die Kirche eingebrochen, alle Meßkleider in unbrauchbaren Zustand gesetzt, die silbernen wie Goldporten ab­ getrennt und alles Werthafte in der Kirche geplündert haben; die dann erst durch mich Unterzeichneten im Jahre 1819 wieder in brauchbaren Stand gesetzt worden.“



Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Breitenwaida.
Das Merkwürdigste ist, daß im Jahr 1805, den 15. Novem­ber früh um 11 Uhr, die Franzosen als Feinde nach Breiten­waida gekommen sind. Drei Mann, worunter ein Unteroffizier war, plünderten den Pfarrer, nahmen ihm seine silberne Sack­uhr und 194 fl. theils an Kupfermünze und Bankozetteln. Nachts darauf waren 6800 Mann unter dem Commando des Generals Merlin hier, welche des Pfarrers Keller erbrachen und seinen ganzen Wein verlor. Der ganze Schaden, den der Pfarrer theils durch Einquartierung des Generals Merlin, Offizieren und Domestiquen hatte, beläuft sich sehr gering gerechnet auf 663 fl.

Im Jahre 1809 sind die Franzosen zum zweitenmale als feindliche Völker in diese Gegend gekommen und haben durch Plünderungen und andere Ausschweifungen die hiesige Land­bewohner in große Angst und Noth versetzt.

Das Taufprotokoll Tom. 1 enthält auf dem 1. Blatt den Vermerk: "Dieses Taufprotokoll ist bei der feindlichen Invasion der Franzosen 4 Wochen unter der Erde vergraben worden. Daher ist dasselbe so übel zugerichtet."

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Bergau.

Diese Aufzeichnungen aus dem Jahre 1805 stammen von dem damaligen Lokal­kaplan Valentin Schwab, der am 22. August 1805 auf die Lokalie Bergau investiert wurde, jene vom Jahre 1809 sind von dem im Jahre 1808 in Bergau investierten Lokalkaplan Johann Anton Bonn verfaßt.


1805.

Den 16ten November 1805 besuchten die feindlichen französischen Truppen auch den Ort Bergau, plünderten an diesen Tag den Pfarrhof sieben Mahl, brachen am hellen Tage gewaltsam in die Kirche, zerhauten alle Thüren, sprengten den Taber­nackel auf, zerstreuten die hh. Partikeln, traten selbe mit Füßen, zerrißen die Leinwäsch, und nahmen Kelch, Rauchfaß, Schifl und dergleichen mehr mit sich fort.


1809.

Den 11ten July im Jahre 1809 besuchten abermals die feind­lichen französischen Truppen den Ort Bergau, plünderten 13 Tage hindurch im Streif  und Durchzuge alles aus, suchten das Verborgene auf, und fanden das Meiste, brachen in die Kirche ein, sprengten nach zerhauten Thüren, auch den Taber­nakel auf, warfen die Monstranze herunter und traten alles mit Füßen, plünderten die Leinwäsche nebst einem meßingenen Kelche und dergleichen, und was ihnen zu schlecht war, zerrißen sie. Auch das verborgene silberne vasculum pro sacris oleis in der Kirche wurde ein Opfer ihrer heißen Plünderungssucht. Sie waren überhaupt viel raubbegieriger und grausamer vorzüglich gegen die gesammte Geistlichkeit, als im Jahre 1805. Merk­würdig aber ist es noch, daß selbst die Truppen der österrei­chischen k.k. Armee bei ihrem Retirade gegen Znaym zu am 8ten 9ten und l0ten July obgedachten Jahres hierorts, wie überal, die Keller aufsprengten, und alles, was sie in der Geschwindig­keit erwischen konnten, ausplünderten. Auch in den hiesigen Pfarrhof brachen sie am 8ten July gewaltsam am hellen Tage ein, zersprengten Vorder  und Hinterthüre, nahmen das silberne Vasculum pro viatico et oleo infirmorum, Kirchen  und Pfarr­geld, alles vorfindliche Vieh, und alles, was sie nur fortschleppen konnten, trotz allem meinem Bitten und den rührendsten Vor­stellungen, mit sich ins Lager auf den Hundsberg fort.

Die vorzüglichen Ursachen eines so feindseligen Betragens waren:


  1. der Hunger, indem sie auf ihrem Retirade wenige oder keine Lebensmittel hatten,

  2. die schon vorher ergriffene Flucht der Einwohner fast im jedem Dorfe, wodurch sie desto mehr Courage bekamen, allenthalben zu plündern und zu rauben,

  3. ihre falsche Meinung, mit mehr Recht plündern und rauben zu dürfen, weil ohnehin von den avancirenden französischen Truppen nichts verschont bliebe.

Nachdem aber alles Vorfindliche von den k. k. österreichischen und französischen feindlichen Truppen ausgeplündert war, so hatte das Elend noch nicht ein End, sondern wurde durch ein 10 wochentliches Standquatier französischer Curaßiers hierorts noch mehr vergrößert, indem die Bewohner durch Herbeischaffung ausgesuchter Lebensmittel, der Foutrage und durch aufgelegte allzuviele Contributionen grausam gemartert wurden. Auch im hießigen Pfarrhofe blieben 10 Wochen lang 2 französi­sche Officiers im Standquatier, ihre Verköstigung mußte die hiesige Gemeinde bestreiten, aber ich wurde wegen des engen Raumes zu wohnen alhier gleichsam zum Gefangenen gemacht und Tag und Nacht beunruhiget.


Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Aspersdorf.

1805.

Dieser Bericht ist von dem im Jahre 1808 als Pfarrer nach Aspersdorf gekommenen Dechant Anton Fidelis Namiesky nachgetragen. Von dem Pfarrer Koppauer, der 1805 in Aspersdorf Pfarrer war, finden sich keine Aufzeichnungen über die Kriegsereignisse.


Unter Parrer Koppauer geschah es anno 1805, allwo die Franzosen im Lande waren, daß der Pfarrhof hier geplündert wurde. Dies hat sich zugetragen, während die Franzosen mit den Russen, Österreich alierten, zwischen Hollabrunn und Schöngrabern eine blutige Schlacht hatten; wobei die letzteren weichen mußten. H. Pfarrer Koppauer hat sich mit seinen damaligen H. Kooperator Spangler (der ein Jahr darauf hier gestorben ist; und im hie­sigen Friedhof neben dem Kreutz begraben liegt) nach einigen Mißhandlungen aus dem Pfarrhof gemacht, und ist einige Täge flüchtig im Walde herumgegangen, bis der Feind weiter ge­zochen, und in Mähren bei Austerlitz den Russen eine neue Schlacht geliefert; worauf 1806 Fried geworden; oder vielmehr noch im vorigen Jahre, in den letzten Tagen des Monat De­cember der Preßburger Fried erfolgt ist. H. Koppauer hat seinen erlittenen Schaden auf 11000 fl. geschätzt; jedoch ist ihm die Fexung im Stadl unverletzt geblieben; wodurch er viel Er­hollung schöpfen konnte.

1809.

Dieser Bericht ist von dem damaligen Pfarrer von Aspersdorf Anton Fidelis Namiesky verfasst.


Aber 1809 war es hier noch viel trauriger. Ein neuer Krieg mit den Franzosen ist ausgebrochen. Man hätte glauben sollen dießmal würde es für Österreich besser ausfallen. 800.000 streitbare Männer waren auf den Beinen. Der Feind erhielt dessen ungeachtet die Oberhand. Den 21. u. 22. May gerade am h. Pfingst Sonn  u. Montag wurde bei Aspern an der Donau eine äußerst blutige Schlacht geliefert. Damals waren die Österreicher Obsieger; und der Feind gieng nach Wien zurück  , welches er den 11. May schon zuvor nach einigem Wiederstand eingenommen hatte.

Am 5. July darauf setzten die Franzosen unter Aspern abermals über die Donau, an diesen, und am folgenden Tag war das Treffen noch blutiger, als zu Pfingsten, endlich wurde der linke Flügel der österreichischen Armee geworfen, und dann fieng selbe an sich bis Znaim zu retirieren; wo der Feind sie Schritt für Schritt verfolgte. Zu Korneuburg, Sirndorf, Göllersdorf; Oberhollabrunn, Schöngrabern, überall wurde stark scharmützelt. Am 9ten traf es Oberhollabrunn wo der Feind einigermaßen zurückgedrängt wurde. Am 10. Julius war Schön­grabern der unglückselige Schauplatz, und wurde ganz abge­brannt. Für Aspersdorf war dies eben ein unglückseliger Tag, auf welche hernach immer noch mehr dergleichen folgten. Ab­gebrant, Gott Lob! ist der Ort zwar nicht worden, aber alle Häuser, vorzüglich der Pfarrhof, rein ausgeplündert, die Keller erbrochen, Thüren, Fenster, Öfen etc. zerschlagen, alle Ein­richtungen geraubt, kleines und großes Vieh hinweggetrieben, mit einem Wort: wir wurden ganz ausgeleert, und um unsere Haabe gebracht. Einige Menschen in der Gegend kostete es auch das Leben. Mir selbst ist 5mal der Säbel angesetzet worden, meinem damaligen H. Kooperator, Johann Kochannek wollte man eben den Kopf abschlagen, durch kayserliche Uhlanen ist er noch unvermuthet gerettet worden, die zufällig über Wieselsfeld hierher sprengend, die Franzosen ver­jagten. Dieser Herr Kooperator blieb am längsten hier. Der ganze Ort hat sich schon am 9ten in den Wald verlassen. Am 10ten mußten dann ich, und mein Herr Kooperator uns eben flüchten, weil uns schon alles abgenommen, und wir nicht mehr des Lebens sicher waren. Dieser aber hat sich noch etwas länger hier verweilt, und kam hiedurch in die äußerste Gefahr. Endlich folgte er auch; aber nur bis Wieselsfeld. Ich gieng dem Walde zu. Wir wußten einer von dem andern durch etliche Tage nichts. Zu Aspersdorf waren nur blos Feinde; die überall, sogar in der Kirche, nichts als wütheten. Alles wurde in der Kirche zertrümmert; der Tabernakel umgehauen; und alles geöffnet. Aber doch muß ich einer besonderen Sache erinnern, die einem Wunder ähnlich ist. In der Kirche steht seitwärths eine kleine Mutter Gottes Statue auf einem Postament, welches hol ist. Unter selbem lag ein silberner Kelch verborgen. Der Feind suchte daselbst mir Gold und Silber; und nachdem er alles in der Kirche zerschlagen, und herumgeworfen, ließ er diese Mutter Gottes Statue ruhig stehen und so blieb auch der silberne Kelch seiner Raubbegierde verborgen.

Am 13ten July ist Waffenstillstand geworden, nachdem noch an diesem Tag die Österreicher und Franzosen sich bei Znaim erbärmlich mitsammen geschlagen. Der wirkliche Fried erfolgte aber erst Anfangs November d. J., der für Österreich nicht am besten ausfiel; indem Tyroll, Salzburg, das ganze Litorale; und auch ein Theil von Gallicum verloren gieng. Während des Waffenstillstandes sind in ganz Österreich die Franzosen einquartiert geblieben; Aspersdorf hatte eine Com­pagnie Chavalerie. Im Pfarrhof alhier wohnte ein Oberleutenant, nebst zwey gemeinen; und 4 Pferdte, sie mit allen mußten verpflegt werden. Von 18ten September, bis 19ten November dieses Jahres mußte ich diese feindlichen Gäste bewirthen, obschon ich selbst nichts mehr hatte. Gott sei es aber gedankt! Denn der Herr hat für uns gesorgt. Kein Mensch denkt es, daß in ganz Öster­reich jemals eine so reichliche, und gesegnete Ernte war; als 1809. Zwar haben viele Gemeinden, ans Furcht wegen der Anwesenheit des Feindes ihre Fexung auf dem Felde bis späten Winter liegen lassen, wodurch auch vieles davon zu Grunde gegangen, und verfault ist. Hier aber zu Aspersdorf ist da meiste, wo nicht ganz alles hereingebracht worden; und man muß es den Franzosen nachsagen, daß sie hierin niemanden verhinderlich waren; sondern selbst zur Einbringung der Fexung mitgeholfen haben. Doch aber haben die Leute auswärtig nicht getrauet, weil sie Feinde waren.

Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Schöngrabern.
1805.

Harte Trübsale hatte Schöngrabern besonders im gegen­wärtigen Jahrhunderte theils durch feindliche Invasionen theils durch Feuersbrünste zu erleiden. Am 15ten November 1805 befand sich die Avantgarde der Franzosen zu Oberhollabrunn, und auf den Anhöhen von Suttenbrunn hatten sich die Russen unterm Commando des Fürsten Bankration in Schlachtordnung aufgestellt. Es kam zu einem hitzigen Gefechte, welches bis in die Nacht hineindauerte. Die Absicht der Russen war, die Franzosen aufzuhalten, damit ihre Waffenbrüder die von Krems nach der bei Stein und Dürrenstein gelieferten Schlacht zurück­marschierenden Russen Zeit gewännen, und nach Mähren zurück­kämen. Der Russische Flügel Adjutant Pinzingerode schloss daher Waffenstillstand. Am 16ten kam Napoleon zu Oberholla­brunn an, und kündigte den Waffenstillstand auf. Die Russen hatten sich hinter Schöngrabern gegen Grund zurückgezogen, und sich um das Dorf Grund herum gelagert. Am 17. Novem­ber um 4 Uhr abends fing eine Schlacht an, die bis in die Nacht fortdauerte. Schöngrabern ward in Brand gesteckt, durch welchen 65 Häuser in Rauch aufgingen. Es sollen beiderseits 5000 Mann auf dem Platze geblieben seyn, theils verwundete, theils Todte. Die Todten konnte man eigentlich nicht berechnen, da sie in der Nacht eingegraben wurden. Unter den Verwun­deten war General Oudenot. Verwundete und halb todte Russen sah man noch 8 Tage nach der Schlacht auf dem Kampfplatze dem Hunger und der rauhesten Witterung preisgegeben. Einige krochen in den benachbarten Nexenhof und wurden, wie ver­muthet wird, als der Hof in Brand gerieth den Flammen zur Beute. Nicht wenige Todte sind im Pfarrhofgarten in der Nähe der Scheune begraben worden. Von den Verwundeten waren die Häuser voll. Das ganze Corps zog sich in der nähmlichen Nacht in guter Ordnung nach Znaym, wo Kutosoff schon über die Thaya passiert war. So erzählt Aemilian Janisch Benediktiner von Göttweig in seiner "Merkwürdige Geschichte der Kriegsvorfälle von 1790 bis 1807" II. Bd.


1809.

Kaum hatten die Einwohner ihre Häuser aufgebaut, und sich von den erlittenen Verlusten nicht einmal erholen können, da drangen in Jahr 1809 nach der Schlacht bey Wagram die Franzosen über Oberhollabrann vor, denen sich die Österreicher hier entgegenstellten, um ihnen den Durchzug durch Schöngrabern zu verwehren. Allein der Markt wurde von dem Feinde beschos­sen, Kirche Pfarrhof, Schule, der ganze Ort stand bald in hellen Flammen, die Österreicher. vermochten nicht des ungestüm vor­dringenden Feindes sich länger zu erwehren. Die Einwohner hatten sich größtentheils geflüchtet, und fanden nach der Rück­kehr nichts als gräßlich verwüstete Wohnungen. Im Pfarrhof gingen die älteren Matriken und anderen Dokumente zu Grunde.


Aus dem Gedenkbuch des Marktes Wullersdorf.
Das Gedenkbuch, dem folgende Notiz entnommen ist, führt den Titel: "Ingedenkbuch. Über die bey dem, dem Fürstlichen Stift und Kloster Mölk ange­hörigen Markt Wullersdorf hervorragenden Gerichts Händl, Beschau, verschiedene Vergleich, Proceß, und andere ereignenden gmainen Markts Sachen. Welches Aufgericht worden Unter dem Erenfesten und Wohlweisen Herrn Franz Kaspar Müllner dermaligen Marktrichtern, wie auch Kauf  und Handelsmann Anno 1756."

Aus dem Jahre 1805 ist keine Aufzeichnung vorhanden, dagegen bemerkt das Gedenkbuch zu dem Jahre 1809 Folgendes:


In diesen und vorigen Jahre haben die Feinde der Fran­zosen zum Erstenmalle in Österreich eingedrungen und sehr übel gewüthet, unser Hauptstadt Wien besetzt, von da gingen sie, weill sie nicht 100 Millionen Gulden, und nicht eingewilliget wurtten, bis nacher zneym, alwo hitzig geschlagen wurte, und so nach die Friedensbedingnisse eingeleittet und den Rückmarsch wiederum zurückh nacher Wien angetretten, und den Frieden außgearbeith, wärent solcher zeit aber alle Örther in Österreich mit denen Franzosen belegt worden sind, alwo solche ganz neu gegleit werden mußten, und mit bester Kost versehen worden sind, wo man oft über Felt in andere Städt und Märkte Verschiedenes nach Ihrem gusto und Muttwillen mußte herbey geholt werden. Alhier im Hause Nr. 35 seyn ohnzweifl der französische Kaiser Napoleon über Nacht gelegen, und im Hauß Nr. 131 ein Prinz, alß solche Feinde von Zneym zurückh mar­schieret sind, blieben sie übernacht, beim frühen aufbruch aber alles in Häußern unt und über sich gestirzt und Villes geraubt, in hinein gehen nacher Zneym ist dreymallen einquartiret wor­den, daß fast in Häußern kein Blatz mehr gewesen ware.
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