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Zeitgenössische Berichte aus der Umgebung Ober-Hollabrunns über die Kriegsjahre 1805 und 1809. Einleitung


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1809

Im Monate July fielen nach der verhängnisvollen Schlacht bei Deutschwagram französische Truppen in den Pfarrhof ein. Herr Pfarrer Veigl, der ähnliche Mißhandlungen, mit denen er schon bei der ersten Invasion anno 1805 belästiget wurde, befürch­tete, ergriff die Flucht nach Neueigen, und ließ die zwei Cooperatoren zurück. Man faßte zwar anfangs den Muth die Thore des Pfarrhofes den einbrechenden Franzosen nicht zuöffnen. Zwei kleine Truppenabtheilungen wagten es nicht, aus Furcht, daß viel­leicht alldort österreichische Soldaten verborgen wären einzu­dringen. Doch bald wurde die Zahl der Feinde größer. An der Südseite der Gartenmauer lehnten sie mehrere Leiter an, sprangen in den Garten, eilten mit gefälltem Bajonette zum Hause, sprengten das Schloss der versperrten Hausthür durch eine abgefeuerte Musqueten Kugel auf, welche Kugel zur gleichen Zeit eine Dienstmagd, die sich durch die Aloysikapelle flüchten wollte, in die Kniescheibe dergestallt verwundete, dass sie bald darauf an den Folgen der Verwundung gestorben ist.

Die durch den vorgefundenen Widerstand erbitterten französischer Soldaten verheerten mit einem barbarischen Vanda­lismus. Alles, was sie angetroffen haben. Die Wohnungen des Herrn Pfarrers und der 2 Cooperatoren wurden ausgeplündert. Im Archiv, wo man verborgenes Geld zu finden glaubte, wurden sämtliche Akten und Papiere aus den einzelnen Fächern hin­ausgeworfen, die alldort aufbewahrten Waisen , Kirchen  und Armen Titel Laden wurden erbrochen, und das deponierte Geld wurde genommen. Im Keller waren 200 Eimer Wein vermauert; doch durch Verrätherey wurde dieser Verwahrungsplatz ange­geben. In die Fässer hatte man mit Gewehren Löcher einge­schossen, was sie selbst von dem Weine nicht genießen konnten, ließ man unbenützt dahin fließen. Erst dann, nachdem sie das Feder und Hornvieh erschossen hatten, zogen sie mit dieser Beute beladen in ihr Lager zurück, welches zwischen Oberzö­gersdorf und Stockerau aufgeschlagen war. Es hörte zwar diese gewaltsame Plünderung in der Folge auf, aber dessenohngeachtet mußte die Pfarre bedeutende Lieferungen an Hafer und Heu leisten und öftere Einquartierungen der durchmarschirenden Militairs bis zum 14. October dieses Jahres übernehmen, an welchem Tage der Friede zu Wien geschlossen und Österreich in Folge dessen von den unheimlichen Gästen nicht mehr gedrückt wurde. Herr Pfarrer Veigel kam von seinem Asyle Neuaigen zurück und mußte die traurige Erfahrung machen, dass er durch diesen feindlichen Einfall einen Schaden von mehr als 8000 fl. erlitten habe.

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Groß Weikersdorf.

Die folgenden Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Franz Arbesser gemacht, der das Gedenkbuch im Jahre 1804 neu angelegt hat, nachdem im Jahre 1719 der Pfarrhof mit sämmtlichen Schriften und Documenten, die Kirche und die Schule einem Brande zum Opfer gefallen waren.


1805.

Den 9ten May 1805 sind seine Majestät Franz der Zweite auf seiner Reise nach Horn hier durch gereiset.

Den 12ten October 1805 sind zwey Regimenter Kosaken in Weikers­dorf angekommen, wovon der Stab und bey 100 Mann Gemeine im Pfarrhofe einquatirt waren. Den 15ten November sind die französischen Truppen in Wien, wo sie am 13ten November ange­kommen waren, hier eingerüket, von welchem Tage angefangen bis zum halben Jänner 1806 in Weikersdorf fast alltäglich theils von französischen, theils von bayrischen Truppen Durchmarsch war, obgleich schon am 14ten December 1805 bey Austerlitz in Mähren ein Waffenstillstand und am 26ten December 1805 zu Presburg in Ungarn der gänzliche Frieden abgeschlossen wurde, Der Markt Weikersdorf hat bei dieser Gelegenheit sowohl an Einquatirung, als auch an Lieferung viel gelitten; doch ist außer dem Herrn Postmeister Vinzenz Urbanek niemand geplündert worden.

Die Kirche blib unbeschädigt u. H. Pfarrer Franz Arbesser hat außer den obgemelten Rußen nur 6 Franzosen einquatirt und 12 Bayern auf der Wachstube zu verpflegen, welches außerordentliche Glück des H. Pfarrer der be­sonderen Zuneigung seiner Pfarrkinder und vorzüglich dem thäti­gen Eifer des damaligen Marktrichters H. Jakob Strasser u. der beyden Quatirmacher H. Anton Schnabel u. Johann Strasser verdanket.




1809.

Nach dem am 12. Juli 1809 zwischen der k.k. österreichischen und k.k. französischen Armee in Znaim abgeschlossen Waffenstillstande ist die k.k. französische Armee in ganz Österreich verleget worden, wo sie vermög dem am 14ten August dieses Jahres abge­schlossenen und am 20ten August eben dieses Jahres ratificierten Friedens zu Wien bis 20ten September u. auf dem Lande bis 20ten October liegen blieb eben dieses Jahres. Bei dieser Gelegenheit wurde zuerst der Attilerie Park von dem zweiten Kirasir Regiment u. der Generalstab von dem 3te,  Kirasir Regiment in Weikersdorf einquatiret, wobei der Markt am 25. July das Unglück hatte fast zur Helfte ab­gebrannt zu werden. Es sind nämlich durch diese Feuersbrunst 43 Häuser, mehrere Scheuern, Schupfen und Keller in die Asche geleget worden, doch ist im Pfarrhof u. der Kirche Nichts ge­schehen, nur mussten im Pfarrhof die Dächer von den Wirt­schaftsgebäuden abgetragen werden, um den ferneren Flammen Einhalt zu thun, weil das Feuer gerade bei dem Pfarrhofe erhalten wurde.

Übrigens hat der Markt Weikersdorf bei dieser Gelegenheit die immerwährenden Einquatirungen als auch die unablässigen, äußerst überspannten Requisitionen sehr Villes gelitten, doch ist Niemand geplündert worden.

Im Dechanthofe war zuerst der Attilerie Capiten Nuquart vom 2ten Kirasir Regiment mit seinem Domestiquen, dann der General, Inspecteur Battioli vom 3ten Kirasier Regiment, der ein Vetter des Kaisers Napoleon war, mit seinem Secretär u. Kam­merdiener einquatiret.

Diese kostspielige Einquatierung sammt den äußerst über­spannten Requisitionen kam H. Dechant, auf viele Tausend Gulden zu stehen u. war derselbe immer in Gefahr seiner Pferde, seiner Wagen, seines Heu und Habers und überhaupt seines ganzen Vermögens beraubet zu werden. So veränderlich sind die Menschen. Im Jahre 1805 thaten die Weikersdorfer alles um ihren Pfarrer zu schonen und nun 1809 suchten sie ihn selbsten zu Grunde zu richten.

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Ober Hautzenthal.

Der folgende Bericht stammt aus der Feder des Pfarrers Adam Kaldy, der im Jahre 1805 als Pfarrer nach Ober Hautzenthal gekommen war.


1805.

Kaum hatte ich mich mit Wirtschaftsgeräthschaften und Einrichtungen versehen, wozu ich das wenige ersparte verwendete, traf ein großes Unglück mich, meine Pfarre, und das ganze Land, den 14ten September reichten die Vorposten des zu Stockerau lie­genden französischen feindlichen Korps von 30.000 Mann, bis auf Unter Hautzenthal, ohne daß jemand auf unserer Seite der Donau sie nur vermuthet hätte. Außer dem Kirchensilber, und der Kirchenlade, welche gerade in dem Keller eingegraben wurde, als die Feinde schon im Zimmer waren, wurde in den ersten Augenblicken nichts verborgen. Erst nach der Plünderung vom 16ten September wurden die Reste gesammelt, und verwahrt, Dieser Tag war der schräcklichste meines Lebens, er machte mich mit jener Empfindung bekannt, welche jemand, der unter die Mörder verfallet, und augenblicklich den letzten Stich erwartet, zu fühlen pflegt. Bis 15 Nachzügler der französischen Armee, die keine anderen Waffen als jene der Mörder nämlich haben, Stilet und verrostete Degen bei sich führten, überfielen mich den 16ten September, um die Mittagstunde, unvorsichtig wiedersetzte ich mich im Vorhaus, wohin sie, mich in das Zimmer bringen wolten, bis ich den schröcklichen Ruf eines von ihnen auf französisch hörte; gieb ihm den Stich. Jetzt überließ ich mich ganz ihrer Will­kühr, sie nahmen mir alles ab, was sie fortbringen konnten, und verlangten den Kellerschlüssel. Ein Theil von ihnen nahm die Köchin, um sie in den Keller zu führen, ein anderer befahl mir voran auf den Boden zu steigen, wo man beschäftigt war, das, Dach anzuzünden, weil es aber schlecht und naß war so zündete es lange nicht, die übrigen verließen mich um die Körner zu untersuchen ob nichts darin vergraben sey. Jetzt benützte ich den Augenblick zum Entfliehen, fiel mehr als ich von dem Boden gieng. Als ich bei der Hausthür war, hielten zwei die Wache, die mich nicht hinaus ließen. Jetzt versammelten sich alle vom Boden, und die im Keller waren, bei mir, und brachten mich unter Schlägen wiederum in das Zimmer. Endlich rufte ich die Wache im Hofe: die Bauern sind beysammen. Es stiegen einige Pfarrkinder über die Planken, und zogen die großen Hölzer von den Thoren weg womit die Räuber es verlegt hatten, und die übrigen Männer kamen in den Hof um mir bei zu stehen. Nun rufte gerade derjenige, welcher bei der Plünderung 2 Sackuhren von mir nahm, auf den Weg, und sie verließen mich. Da mich Gott auf eine so wunderbare Art beim Leben erhalten hatte, so dankte ich ihm recht herzlich dafür, daß ich nur mit einer Schneidewunde am Daumen der rechten Hand davon ge­kommen bin. Ohne Schuhe, bloß in Strümpfen rettete ich mich nach Stranzendorf zu den hochwürdigen Herrn Pfarrer Franz Springsholz und noch am nämlichen Abend fuhr ich mit einer Proviant Lieferungsfuhr nach Göllersdorf zu meinen würdigen Herrn Dechand Anton Fidelis Namieski. Hier wurde ich mit vieler Theilnahme gastfreundlich aufgenohmen, mit Schuh und andern nothdürftigen versehen, und war im Stande, die Wunde am Finger zu pflegen. Unterdeßen wurde in den von den Be­wohnern ganz leeren Pfarrhofe alles was zu bewegen war fort­gebracht. Ohne Geld, ohne Wirtschafts  und Haus Einrichtungen hatte ich eine bittere Noth auszustehen, als gerade von seiner hochfürstlichen Gnaden, den Herrn Erzbichof durch den hochwür­digen Herrn Pfarrer von Hausleithen Johan Nepomuk Veigel mir 100 fl. zu geschickt wurden, und zunächst das nöthigste anzuschaffen im Stande war. Jetzt traf eine fürchterliche Epi­demie, meine von den Feinden so sehr geplünderte Pfarre. Der bald darauf abgeschlossene Friede in Preßburg fieng bald an die Wunden zu heilen, und gab Gelegenheit, daß man sich wiederum erholen konnte. Meiner erste Sorge war den durch Länge der Zeit so sehr beschädigten Kirchthurm wiederum herzustellen, es gelang mir auch ihn ganz einzudecken, wobey an Unkosten 900 fl. ver­wendet worden sind.
1809.

Kaum hatten sich meine Pfarrkinder in etwas wiederum zu erholen angefangen, da wurden schon wiederum durch einen neuen ausgebrochenen Krieg die vorigen Drangsale erneuert. Die Unfälle, welche unsere Armee bei Eckmühl in der Gegend von Regensburg betroffen haben, machten, daß sie sich bis Wien nicht wiederum aufstellen konnte. Ein großer Theil davon gieng dort über die Donau, und kam den 14. May in unsere Gegend zu stehen, wobei ich durch 2 Täge seine Durchlaucht den Fürsten von Liechtenstein Generalen der Kawallerie in Quartier hatte. Schon fieng die Hoffnung, die Drangsalen bald beendigt zu sehen, aufzuleben, als die Schlacht bei Aspern den 21. und 22. May zum Vortheil der Österreicher sich geendigt hatte, als bald darauf den 6. July bei Waggrabm der linke Flügel der Österreicher umgangen wurde, und die ganze Armee genöthigt sich fand bis Znaim zurückzuziehen, wo auf den geschlossenen Waffenstilstand, am 16. October der Friede unterzeichnet wurde. Bis auf die Hälfte des Jäner 1810 haben ich, und meine Ge­meinde vieles mit den Quartier der Feinde auszustehen, zuvor gänzlich ausgeplündert, mußten wir öfter ganze Compagnien, wo die Oficiere alle mit mir sich einfanden, in Quartier haben, und es ist zu bewundern, woher wir für so viele Gäste Lebens­mittel aufbringen konnten. Die ganze Gemeinde hatte ihren Wein im Pfarrhof geholt, weil kein alter in der Gemeinde zu finden war, die so kostspielig geführten Kriege, haben viel Nachwehen zurückgelassen, als: die Verminderung der Bankozettel, durch das Patent vom 15. März 1810 wo ihr Werth auf den 5te  Theil herabgesetzt wurde, die Ablieferung sämmtlichen Silbers bis auf die Eßlöffel, und nur einigen Cuppa am Kelche, und doch trotz aller dieser wiedrigen Umstände erholten wir uns bald, so daß wir bei dem neu ausgebrochenen Krieg mit Frankreich, mit einer Macht aufzutretten im Stande waren, die Bewunderung erregte.



Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Stranzendorf.

Die folgenden Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Johann Valentin Schwabe gemacht, der 1808 in Stranzendorf investiert worden war.


1809.

In den nächstfolgenden Jahr 1809, wo die Franzosen Ostreich überschwemten und während fünf Jahren das Land zum größten Maße verherten, fanden sie nun auch nach Stranzendorf. Denn im Jahre 1805 hat man hier kaum einige wenige im Durch­marsch gesehen. Da sie sich nach ihrer Sitte, überall, und vorzüg­lich in Dörfern, wo sie die Ortsgerichte nicht respecktirten, selbst einquartirten, so gefiel ihnen jeder Zeit vor allen der so ansehnliche Pfarrhof, und der H. Pfarrer hatte die Ehre immer das Hauptquar­tier auszuhalten. Im Anfang ging es leidentlich, indem die ab­wechselnten Einquartierungen nur zu 3 und 4 Tage dauerten, und die Officire immer noch mit mir an einem Tisch speißten. Diese Schreckenszeit (es waren 6 Wochen Waffenstillstand) wo man nicht wußte, ob von neuem Krieg oder Friede werden wird, und während dem man mit dem Feinde leben mußte, kostete die Einkünfte der Pfarr auf mehrere Jahre, denn der hiesige Ort war während dieser Zeit kaum einen Tag ganz von Ein­quatirung frey. Nachdem nun der Waffenstillstand zu Ende war, und Friede mit Östreich. erklärt wurde, suchten sie sich nun ihre Standquatiere aus, und die hiesige ganz umliegende Gegend traf das Kürasirregiment No. 7, welches sich durch volle 11 Wochen jetzo wohl pflegen ließ. Im Pfarrhof quartierte ein Capiten nebst einem Bedienten, auch speißten nebst anderen Gästen, die sie sich aus der Nachbarschaft gewöhnlich inladeten, aus dem Orte, der Oberleutenand und Regimentsartzt, gewöhnlich an der Tafel. Dieß Quartier bezog den ganzen oberen Stock des Pfarrhofes. Nur 8 Tage konnte ich den schrecklichen Auf­wand, den sie begehrten, und den man ihnen geben mußte, noch ausharren, dann erklärte ich, daß ich außer Stande sey, für ihre Pflege fern ' er zu sorgen, und von dem Tage an lebten sie im Pfarrhof auf Rechnung der Gemeinde. Da sie nun in der 5ten Woche immer zutringlicher auf frischer Tafel und Bett­wäsche bestanden, die ich ihnen nicht verschaffen konnte, und später diesfals Mißhandlungen zu fürchten waren, so flüchtete ich mich zu H. Pfarrer Johann Nepomuk Veigl nach Hausleithen, und blieb dort bis zum gänzlichen Abmarsch den 15ten. Dezember 1809.




Obermallebern.

Aufgezeichnet vom damaligen Pfarrer Karl Hofbauer.


1805.

Den 14. November kamen die feindlichen Vorposten der Franzosen nach Mallebern. An diesem Tage wurde der Pfarrhof mit Einquatirung verschont. Am 15. bekam ich einen Obersten mit einem Lieutenant als seinem Adjutanten mit ihrer ganzen Suite.



Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Göllersdorf.

Vorliegender Bericht ist von dem damaligen Pfarrer von Göllersdorf, Dechant

Anton Fidelis Namiesky verfaßt, unter dem das Gedenkbuch der Pfarre angelegt wurde.

In der Einleitung zum Gedenkbuch bemerkt er: "Obschon gegenwärtiges Pfarr­- oder Denkbuch erst ein Aufsatz ist, welches aus der Schrift, und Schreibart leicht zu ersehen ist; und erst sollte rein abgeschrieben; und zierlicher der Schreibart nach umstellt werden; so kann ich doch . . . versichern, daß alles, was indessen hier angezeiget ist, zuverläßigg, und gewiß sey.


1805.

Schon mannige traurige Epoche, widrige Umstände; empfind­same Verlegenheiten habe ich. in dieser Pfarrgeschichte angemerket. Aber alles vorige erreicht den Grad der Betrübniß, und des Schreckens nicht, welchen jene Begebenheit erweckte, womit das Jahr 1805 sich endete. Dieses war ein neuer Krieg mit Frankreich. Am 14. Octobris ist die k. k. österreichische Armee bey Ulm im Reich draußen geschlagen worden, und den 14. November war die ganze französische Armee schon über Wien, und über der Donau gegen uns herauf marschieret. Am 15. November, also am Festtage des hl. Leopolds standen Vormittag zwischen Schönborn und Göllerstorf bey 40.000 Mann französische Cavalerie. Diese marschierten sogleich alle durch Göllersdorf. Nachmittag gieng so viel, oder vielleicht noch mehr Infanterie hier durch. Am 16. November folgten ebenfalls so viele wieder nach. Den 17. geschah das nämliche. Es wimmelte alles von Franzosen. Man sah Niemand anderen auf der Straße gehen, reitten, oder fahren, als blos Franzosen. Kein östreichischer Soldat war hier zu sehen. Dieses verursachte eben unser größtes Schrecken. Man hat wohl gehört, daß unsere Armee bei Ulm sey geschlagen worden, man hoffte aber, daß, wenn sich die übrige kayserliche Armee retirieren wird, man diese eher auf ihrem Rückzug hier sehen werde, als jene des Feindes. Man irrte sich. Kein oestreichischer Soldat kamm hieher; sondern plötzlich, und ohne alles Vermuthen waren wir in den Händen der Franzosen. Wie dieses habe so still, und geschwind geschehen können; wird Gott wissen. Das ist doch keine so gemeine Sache, daß eine ganze und besonders so zahlreiche Armee (sie wurde auf 180.000 Mann geschätzt) in einem Monate vom 14. October bis 14. November von Ulm bis zu uns über Wien komme! Diese Ankunft war so still, und unvermuthet, daß die Leuthe wenig von ihren Hab­schaften auf die Seite räumen, und verbergen konnten. Man wird es nicht glauben wollen; aber wie ich es schreibe; so ist es in der That geschehen. Es gehört nicht zu meinem Plane; auch nicht zur Geschichte der Pfarr, die Veranlassung dieses traurigen Krieges hieher zu setzen; sondern was sich hier weiter zugetragen will ich zum Angedenken, und Belehrung für künftige derley Fälle (welches Gott gnädigst verhütten wolle) noch anführen.

Russen waren damals mit Östreich vereinigt. Allein die Russen haben sich schon bey St. Pölten von den Östreichern getrennt; und sind über Krems, Hadersdorf, Sitzendorf bis nach Oberhollabrunn gekommen. Um. diese aufzusuchen und hernach zu überwintern (wie es bereits geschehen ist) sind die Franzosen von Wien aus über die Donau hieher marschiret. Das erste Quartier, was ich von ihnen hatte, war ein Prinz mit Nahmen Murat, ein sehr leutseliger Herr, mit noch 16 Officieren, worunter mehrere Generale waren. Kaum waren diese abgezochen, kam Feld Marschall v. Sould, eben mit 16 Officieren, und einige Generale. So ging es immer fort: dergestalt, daß ich, während dieser Krieg dauerte, 6 Generale insbesonder: 79 Officier; und mit ihren Hausleuthen, als Bedienten 150 Mann, succehsive in beyläufig 5 Wochen zu bewirthen, und zu verkösten hatte.

Ich danke aber Gott, daß ich die Vornehmsten der französischen Armee bey ihrem Durchmarsch in Quartier hatte; dadurch blieb ich verschont, und wurde nicht wie meine H. Nachbarn in der ganzen Gegend von den gemeinen Soldaten mishandelt, geplündert, und vertrieben. So ist es dem H. Pfarrer in Hausleuten ge­schehen; dieser ist mit seinen 2 Geistlichen viermal rein aus­geplündert worden. H. Pfarrer in Asperstorf, Ferdinand Koppauer geplündert, und aus seinem Pfarrhof vertrieben worden, daß er bey großer Kälte durch 5 Tage im Walde herumirren mußte. Zu Pergau ist Pfarre und Kirche geplündert worden.

Zu Mailberg ist gar alles abgebrannt worden. Die Keller sind durchaus überall eingebrochen worden; der Muthwillen der Soldaten hat viele Fässer umsonst ausrinnen lassen. Wo was zu stehlen, oder zu plündern war, ist es geschehen. Man hat leider! erfahren, was es sey, den Feind im Lande zu haben!

Ich bin so ziemlich, wie ich erst gesagt, glücklich durch­gekommen. Was ich in meinem Vermögen hatte, gab ich hin; und zwar mit einer freundlichen Miene und mit Bereitwilligkeit. Dies verdiente mir die Hochachtung und Liebe meiner feindlichen Gäste. Indessen kostete es mich vieles. Doch erhielt ich dabey mich selbst. Meine Habschaften; und ich darf auch sagen auch von meinen Pfarrkindern, daß sie nicht so gar hart sind her­genommen worden; weil ich den H. Murat und Generale nach Kräften wohl bewirthete. Mit 5 Speisen zu Mittag, und Abends 3, nahmen sie Vorlieb. Aber in der Frühe, und zu Mittag mußten wenigstens für jedweden zwey Schalen Caffee mit Obers seyn. Der Caffee ist daher auch bey dieser Gelegenheit beträchtlich hoch gestiegen. Das Pfundt von der schlechtesten Gattung kostete 3 fl. 30 kr., der Zucker 3 fl. 30 kr.

Nachdem der Feind die Russen zwischen Oberhollabrunn und Schöngrabern geschlagen wurden diese bis Znaim, von da bis Nikolsburg; und dann bis über Brünn hinausgetrieben, wo bey Austerlitz am 2ten December eine äußerst blutige Schlacht dem Krieg ein Ende machte, indem die Franzosen da einen glänzenden Sieg erfochten hatten. Diese Schlacht wird ewig merkwürdig bleiben. Drey Kayser waren dabey gegenwärtig: Der Kayser von Östreich, von Rußland und von Frankreich.

Je weiter der Feind gegen Brünn vorrückte, desto ruhiger wurde es immer bey uns; denn die meisten feindlichen Truppen gingen hernach über die Brünner Straße über Wolkersdorf, und Poystorf. Indessen waren wir nicht ganz von ihnen frey. Ein­zelne, bey 10, bald mehr, bald weniger gingen immer theils hinauf, theils herab; und diese waren eben nicht weniger zu scheuchen. Um von ihrem Plündern sicher zu seyn, hat der Markt hier von einem H, Generalen, der in Stockerau blieb, eine Souv Gard anbegehrt, und auch erhalten. Dieser Mann blieb über ein Monat hier, auf Kosten des Marktes, welche eben nicht gering waren. Indessen war es doch immer besser einen kleinen Schaden zu leiden, als alles zu verliehren.

Gleich nach der fürchterlichen Schlacht bey Austerlitz in Mähren, unweit Brünn, ist der Fried geschlossen worden. Die Russen gingen nach Hause. Die östreichischen Soldaten waren ohnehin in Böhmen, und Ungarn. Die Franzosen retirierten ebenfalls; und bey ihrem Rückzug hatten wir hier wenig mehr zu leiden, Sie gingen über Oberhollabrunn nach Kirchberg am Wagram, andere über Stockerau eben nach Kirchberg, und von da über Krems, St. Pölten etc. nach Frankreich zurück.

Östreich hat so was noch niemalen erlitten. Gott wird es wissen, wer dem Lande eine so empfindliche Strafe zugezochen. Die Hauptstadt, Wien, war in den Händen der Feinde. Sonst geschahen zwar keine Plünderungen; denn 30000 Bürger waren immer bewaffnet; und zur Gegenwehr bereitet. Aber desto mehr mußte die Stadt Brandschatzung zahlen. Desto häufiger waren die Plünderungen am Lande. Sie waren von aller Art. Pferde,

Kühe, Schafe, Schweine etc. wurden aus den Stallungen weg­genommen; Geld wurde von den Leuten erpresset; Kleidungen wurden vom Leibe gerissen; Wein in der Menge wurde aus den eingesprengten Kellern geschleppt. Überall, wo der Feind ge­wesen, war das Elend noch größer, als hier zu Göllersdorf. Oberhollabrunn hat in dieser Gegend vorzüglich gelitten. Da waren mannige, die allein jeder über 20.000 fl. Schaden gehabt. Dies geschah vorzüglich daher, weil sich anfangs zu Ober­hollabrunn die Russen lagerten, wo hernach zwischen Hollabrunn, und Schöngrabern eine fürchterliche Schlacht gewesen. Nachdem die Russen geschlagen, und weiter getrieben worden, zochen die Franzosen in Oberhollabrunn ein und schonten nichts.

Es sind bey der Schlacht außer Hollabrunn viele Russen zu Kriegsgefangenen gemacht worden. Ein großer Theil davon nach Göllerstorf geführt und in der Loretto als Spitall­kirche hier einquartiert worden. Bey dieser Gelegenheit wurde dieses Gotteshaus sehr übel von den Kriegsgefangenen zugerichtet. Den eisernen Gattern haben sie eingesprengt; die vor­findigen Meßkleider zerrissen; die Altäre entheiligt und den Unrath überall ausgestreuet, dergestalt; daß lange Zeit keine Andacht mehr dort konnte gehalten werden, bis die Kirche wieder reconcilieret wurde. Die Pfarrkirche aber hier blieb ganz unverletzt und von allem Frevel frey. Allein die Kirchenthüren waren immer fest geschlossen, keine Glocke auf dem Thurme wurde geläutet. Der Gottesdienst selbst blieb in den ersten Tagen, wo die Feinde am zahlreichsten waren, ganz aus. Es war gerade wie zur Zeit eines Interdict. Später und nachdem sich der Feind immer weiter weggezochen ist die hl. Messe bey geschlossenen Thüren gelesen worden; bis endlich bei größerer Sicherheit auch diese dem Volke wieder konnte

geöffnet werden. Die Kranken sind eben nur in der Stille und ganz verborgen versehen worden. Deren gab es damals sehr viele. So wenig im Sommer hindurch waren, desto häufige waren sie jetzt. Der Schrecken, über die so plötzliche Erscheinung eines so fürchterlichen Feindes, brach bald in tödt­liche Krankheiten aus. Viele starben. Einige auch jählings. Endlich wurde eine Epidemie daraus, wie es gewöhnlich die Folge bei blutigen Kriegen ist. In mannigen Häusern hier lagen 5 Personen auf einmal krank. Sie wurden nämlich von den vielen plessierten, und Kranken, theils Russen, und Franzosen, die in den Häusern vertheilt lagen, angestecket. Der hiesige Ortschirurgus hatte alle, auch die feindlichen Soldaten zu be­handeln. Kein Arzt vom Militär, oder Feldscher war hier. Keine Feld Patres waren auch nicht. Indessen machten uns weder die Russischen Kranken, noch die französischen vieles zu thun. Zwey einzige französische haben die Lossprechung an­verlangt. Deren liegen aber 6 im hiesigen Pfarrfreydhofe be­erdigt worden. Hinter Viendorf liegen Russen begraben.

Noch muß ich anmerken, daß jene Ortschaften von dem Feinde immer umso härter sind hergenommen worden, wo die Leuthe entweder ihre Häuser verlassen hatten, oder wo man sich weigerte ihnen Essen, Trinken, und Verpflegung zu ver­schaffen. Je williger diesfalls die Leuthe sich zeigten, desto leichter sind sie auch durchgekommen. Da Göllersdorf diesfalls alles mögliche leistete, ist es auch mehr als alle umliegenden Örter verschont geblieben, dergestalt, daß nach geendetem Kriege, als die östreichischen Truppen wieder durchmarschierten, diese im Vergleiche gegen andere Ortschaften, kaum glauben wollten, daß in Göllerstorf der Feind ebenfalls gewesen sey.

Denn anderweitig sahen sie abgebrannte Häuser; eingesprengte Thüren, zerschlagene Fenster etc. Hier, Gott Lob! blieb alles ganz. Indessen ist aber doch der Schaden von hier im ganzen, die Unterthanen allein betrefend, geschätzet worden auf 25.000 fl. Schon die Verpflegung so vieler Truppen kostete vieles. Am Lepoldi Tag sind zu Göllerstorf über 6000 Mann gelegen. Wo sie was nehmen konnten, ist es geschehen; und besonders wenn die Leute ihr Geld nicht vorsichtig genug verwahrten. Mannige haben dieses unter dem Fußboden verstecket. Wie dies be­merket wurde ist der Fußboden aufgerissen worden; und das Geld genommen worden. Man hat müssen klug, und vorsichtig zu Werke gehen, um etwas verborgen zu erhalten. Selbst im Orte gab es böse Leute, die dem Feind die verborgenen Hab­schaften anzeigten. Es war gar nicht rathsam auch den ein­heimischen seine Geheimnisse zu entdecken. Die Furcht vor dem Feinde war Ursache daran.

Eben weil der Feind im Lande war ist es geschehen, daß in diesem Jahre die gewöhnliche Weihnachtsmette nicht um 12 Uhr Nachts ist gehalten worden, sondern ist diesfalls folgendes verordnet worden: nämlich: die dermalige Lage des Erzbischöflichen Wienerischen Kirchensprengels, die vielen und schweren Sachen des Volkes, die nothwendig besondere Aufsicht auf die eigenen Haushaltungen fotdern, daß man allen möglichen Zusammenfluß der Leute, so viel es möglich ist, verhüte. Aus diesem Grunde werden in der Christnacht alle Kirchen, ohne Ausnahme, der ganzen Diözes gesperrt bleiben, und alle Messen in der Christnacht, auch in Privat Oratorien, und Kapellen streng untersagt. Die Metten, das Hochamt, die andern h. h. Messen sollen am Christtage selbst um 5 Uhr früh anfangen. Dieser Befehl ist von dem hochwürdigen Erzbischöflichen Konsistorium erlassen worden   und zwar auf höchste Ver­ordnung Seiner Hochfürstlichen Gnaden des H. Erzbischofs.

Endlich ist Fried geworden und die französischen Truppen haben einen freundlichen Rückzug genommen. Am 6. Jänner 1806 hatten wir hier zu Göllerstorf diese Gäste das letzte mahl zu bewirthen. Da gieng aber alles ordentlich, und Niemand wurde mehr beschädigt. Am 16. Jänner ist der k. k. Hof wieder feyerlich in die Stadt Wien eingezochen; ist in der St. Stephans­kirche abgestiegen; und hat dort dem Te Deum Laudamus beygewohnt. Im ganzen Lande ist am folgenden h. Dreyfaltigkeits-Sonntage in allen Kirchen das Dankfest für den erhaltenen Frieden begangen worden. Mannige Ortschaften haben in der Folge einige Entschädigung erhalten. Auch unter den H. Seel­sorgern ein und andere, die ohnehin geringe Einkünfte hatten; und auch vom Feinde besonders gelitten, eine Vergüttung be­kommen. Diese Vergüttungen waren freilich nicht ergibig, und haben den Schaden bey weitem nicht ersetzet. Man war aber dennoch zufrieden; weil nur wieder Ruhe war. Denn Niemand wird die widrigen Empfindungen beschreiben, welche die An­wesenheit des Feindes verursachet.

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