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Zeitgenössische Berichte aus der Umgebung Ober-Hollabrunns über die Kriegsjahre 1805 und 1809. Einleitung


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Zeitgenössische Berichte

aus der Umgebung Ober-Hollabrunns

über die Kriegsjahre 1805 und 1809.
Einleitung
In meiner Sammlung von Jahresberichten des Hollabrunner Gymnasiums (gegründet 1865) habe ich zwei Artikel gefunden, die es mir wert erscheinen, sie als Internetseite aufzubereiten. Die Artikel stammen aus den Jahresberichten von 1902 und 1906 beschreiben die Kriegsereignisse von 1805 und 1809 welche sich in und um Hollabrunn - damals noch Oberhollabrunn - zugetragen haben. Ein Denkmal zwischen den Orten Suttenbrunn und Schöngrabern zeugt heute noch von den Ereignissen der damaligen Zeit. Außerdem findet sich im Triumphbogen von Paris der Name Hollabrunn unter jenen Orten, an denen Napoleon Siege errang.

Ich habe den Artikel, welcher anno dazumal anhand der Aufzeichnungen in den einzelnen Gemeinde - Gedenkbüchern zusammengestellt worden war, ohne irgendwelche Wertung übernommen, was sich auch in der alten Rechtschreibung widerspiegelt.Um die Authentizität

des Artikels zu wahren, sind absichtlich die Rechtschreibfehler wie sie sich in den Original-Pfarraufzeichnungen finden mit übernommen worden.
Hollabrunn, im April 2000.

Günther Böck



Zeitgenössische Berichte

aus der Umgebung Ober-Hollabrunns

über die Kriegsjahre 1805 und 1809.

Von Dr. Johann Grippel und Dr. Alois Müller.

(Teil 1, 62. Jahresbericht aus dem Jahre1902)
Einleitung.

Im Folgenden haben wir es unternommen, die in den Pfarr  und Gemeinde Gedenkbüchern der in der Umgebung von Ober­-Hollabrunn, gelegenen Ortschaften enthaltenen Berichte über die Kriegsjahre 1805 und 1809 zu sammeln. Diese enthalten interessante Details über die Ereignisse jener drangvollen Zeit und zeigen, in welch furchtbarer Weise auch unsere Gegenden durch die Napoleonischen Kriege gelitten haben. Es ist unsere Absicht, unsere Forschungen nach dieser Richtung hin fortzusetzen, und wir hoffen, dadurch die Grundlage zu erhalten für eine aus­führliche Darstellung der Ereignisse jener Zeit, soweit sie unsere Gegend betreffen. Wir können es nicht unterlassen, dar­auf hinzuweisen, welch hoher Wert den Gedenkbüchern der Gemeinden und inbesonders der Pfarren vom rein historischen Standpunkte ans beizumessen ist.

Als unsere angenehme Pflicht erachten wir es, den hoch­würdigen Herren Pfarrern und den Herren Gemeindevorstehern an dieser Stelle unseren verbindlichsten Dank auszusprechen für die Bereitwilligkeit, mit der sie alle unsere Bemühungen unterstützt haben; allerdings weisen vielerorts die Gedenkbücher erhebliche Lücken auf, so dass nicht überall unsere Forschungen von Erfolg gekrönt waren. Dafür sind uns von mancher Seite Mittheilungen zugekommen, die mit den Ereignissen jener Zeit in entfernterem Zusammenhange stehen und den Stoff für For­schungen nach anderer Richtung darböten, z. B. für Untersuchun­gen über die Herkunft mancher Familien mit französischen Namen.
Oberhollabrunn, im Juli 1902.

Dr. Johann Grippel,

Dr. Alois Müller.

Aus dem Gemeinde Gedenkbuche von Sierndorf,
1809.

Im Jahre 1809 bei den zweiten Einfahl der Franzosen ins Österreich da hat sich die Affandgarth von E. H. Karl im Markt Sierndorf gelachert, rämblich das Regament E. H. Karl Schübphäd Husaren und Schwarzenberg Hollanner. Da hat der Markt Sierndorf 800 Bund Stroh in das Lager liefern müssen 44 Klafter Brennholz, 24 Eimer wein, 400 Schieshel und 400 Häfen und sodan waren noch im Markt in Häusern alles so überlägt das sich fast niemand zu helfen weiß. Den 7ten July ist der Feind bis Wien in dem Marchfeld über die Donau übergebrochen und am 8ten July hat unsere k.k. Armee ihren Rückrad bis zneim nehmen müssen. Da ist auch bei uns das Fürst Liech­tensteinische lager gestanten. Den 9ten July sind die Franzosen bei uns durch Marschierd. Da ist unser Markt in Brand gestöckt worden und sind 32 Häuser abgebrand. Bei den Johann Grindling Nr. 36 ist das Feuer angelögt worden und sind von des Lorenz Klarr seinen Hauß angefangen Nr 34 bis zum ambt Hauß Nr. 46 von der Mühl an Nr. 7 bis zu des Andere Huber Hauß Nr. 24 alles liecht aufgebrant. Ganze fünf Monath sind die Franzossen bei uns in Osterreich geblieben.

Den 9ten July als am Jahrdag der Feuersbrunst hat sich die Marktgemeintte verobligirt allezeit das gedächniß mit einem Heilligen Hochamt feuerlich zu begehen zu ehren des Heiligen Florian.
Joseph Bachhaimer der Zeit Marktrichter

Johann Grumpböck geschworner Johann Anzböck geschworner

Lorenz Beyer geschworner Andere Huber geschworner.


Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Sierndorf.

Aufgezeichnet von dem damaligen Pfarrer Karl Streichers.


1805.

Den 8ten und 9ten November marschirten durch Sierndorf viele tausende der Russen, welche sich nach dem Eindringen der Franzosen ins Oesterreich von Krems herab retierirten, und sich nach Oberhollabrunn hinaufzogen, die Einquartirung und besonders das Unterbringen ihrer vielen Pferde war sehr lästig. Ich selbst hatte einen Obersten sammt der Kriegskasse in Quartier und in einem Stadtel 45 Pferde, weil schon im Markte alles so sehr überlegt war, dass die Pferde nirgends mehr un­tergebracht werden konnten.

Den 14. November sind im Verlaufe des heuer wieder mit Frankreich ausgebrochenen Krieges nach der unglücklichen Schlacht bei Ulm zwischen 11 und 12 Uhr Vormittag die ersten französischen Reutter nach Sierndorf eingerückt. Die Neugierde zog mich und fast alle Einwohner auf die Straße heraus, um den Feind zu sehen. Sie betrugen sich auch bei ihrem Einmarsche in Sierndorf ganz gut gegen uns, sagten uns mehrmahlen, wir hätten uns gar nicht von ihnen zu füchten, es würde uns kein Leid zugefügt werden, sie wären nicht Feinde gegen den deutschen Kaiser, mit dem ihr Kaiser schon ohnehin Frieden gemacht hatte, sondern sie seien nur deßwegen in unser Land herüber gebrochen, um den Russen zu verfolgen, und wo sie dieselben finden, würden sie sich mit ihnen schlagen und selbe aufzureiben.

Daß dieß aber nur Schmeichelworte waren, zeigte sich gar bald. Denn einige von ihnen forderten sogleich Geld als Brand­steuer und zeigten sich somit als wirkliche Feinde.



Den Nachmittag darauf kam schon eine sehr beträchtliche Anzahl Fußvolks, welche in alle Häuser eindrangen, Fleisch, weißes Brod, Butter, Käs und der gleichen von den Leuten abforderten und dann wieder weiter marschirten. Auf den Abend wurde der Markt Sierndorf mit den feindlichen Truppen so überlegt, daß in jedem Hause mehr als 50 und 60 Mann einquartirt waren. Uebrigens ging außer den äußerst starken Requisitionen aller Gattungen Lebensmittel und der Fourage für ihre Pferde alles so ziemlich ruhig ab.

Der 15. November eben der Festtag des h. Leopolds, war für den Markt Sierndorf ein wahrer Hiobstag. Da erfuhren wir die Geißel des Krieges, und alle die unseligen Folgen desselben in ihrer ganzen Schwere. Schon um 8 Uhr Vormittag fing die große feindliche Armee durch Sierndorf durchzuziehen an und zwar in einer solchen Menge, dass es beinahe unmöglich ge­wesen. wäre, über die Strassen hinüberzukommen. Da drangen sie schon feindselig in die Häuser der Leute ein, forderten von ihnen mit Gewalt Essen und Trinken und mit diesen allein nicht zufrieden, fingen sie förmlich zu plündern an, brachen die Kästen und Gemächer auf, raubten der Leute Habseligkeit, tödteten alles Geflügel, nahmen den Leuten Schafe und Schweine­fieh hinweg, das sie sogleich sengten, und bei Feuer sich zu­richteten, was sie nahe bei Stroh Dächern und Städteln aufge­macht haben, durchsuchten mit brennenden Kerzen die Heuböden um ihren Raub zu befriedigen, indessen wachte doch Gottes Güte über uns, und verhinderte, daß bei einer so großen Feuers­gefahr unser Markt nicht ein Opfer der Flammen wurde. Ueber­dieß wurden alle Keller mit stürmender Gewalt eingebrochen, und der Wein theils ausgetragen, theils frey ausgelassen. Be­trächtlich war der Schaden, der dem Anton Steinermayr gewesten herrschaftlichen Pächter allhier dadurch zugefügt wurde, in dessen Keller sich über 300 Eimer Wein befanden, von welchen er nicht einen einzigen retten konnte. Die Folge von allen diesen war, daß die Feinde, die ohnehin schon berauscht waren, noch mehr betrunken und in ihren Leidenschaften ungestüm wurden. Besonders bin ich von ihnen sehr hart mitgenommen worden. Von drei verschiedenen Rotten wurde ich am nämlichen Tage im Pfarrhofe überfallen, ohne die vielen zu rechnen, die mit Bütteln und Schaffeln mir den Wein aus dem Keller hinweg­ trugen. Nachdem ich sie mit Fleisch, Brod, Eyer, Käß, Butter, kurz mit allem, was sie verlangten, bereitwillig bewirtete, fingen sie an in mich mit bloßen Säbeln und unter den schändlichsten Schimpf  und Fluchworten zu dringen und nötigten mich alle Kästen und Thüren zu eröffnen, wo sie den alles vorfindige Geld, Wäsch  und Leibskleidung und was ihnen nur immer an­ständig war, mit Gewalt raubten, und mir dadurch einen mir nach mäßiger Schätzung berechneten Schaden von 285 fl. 45 Kr. verursachten. Der häufige Durchmarsch der französischen Truppen zur großen Armee dauerte noch ununterbrochen bei 9 Tage fort, in welcher Zeit weder an Sonn  noch Wochentägen Messe gelesen noch irgend ein Gottesdienst abgehalten wurde, die Schule wurde auch ununterbrochen, indem der Feind in selber große Verheerungen anrichtete und der Schulmeister sammt Weib und Kind in das Schloß sich hinflüchten mußte. Auch ließ ich während dieser Zeit keine Glocke auf dem Thurme weder in der Frühe, weder zu Mittag noch auf dem Abend weder bei einer Leiche läuten, damit es der anwesende Feind nicht etwa für ein Zeichen zu einem Sturm ansehe und daraus noch größeres Uebel entstehen möchte(!) Die Ausspendung der hh. Sakramente sowohl bei Kranken, als auch die Begräbnißen der Todten, alles, wurde ohne Gepränge und in der größten Stille und heimlich vorgenommen, damit diese gottesdienstlichen Handlungen keinem Gespötte des Feindes ausgesetzt würden. Das prächtige von dem gewesten Herrn Fürsten zu Salzburg Hieronimus Colloredo geschenkte Meßgewand, Kelch, silberne Lampe u.s.w. kurz alle entbehrlichen Schätze und Kostbar­keiten habe ich noch bei Vordringen des Feindes in ein sicheres Ort im Schlosse in Verwahrung gebracht. Die Kirchenkasse und die Tauf , Trauung  und Sterbebücher habe ich im Pfarrhofe in die Erde vergraben und so für ihre Erhaltung die schuldige Sorgfalt verwendet.

Wir lebten durch die ganze Zeit dieses Krieges äußerst gedrückt von den häuffigen Einquartirungen der auf der Straße hin  und herziehenden französischen Kriegshere, in beständiger Angst und Furcht, zum Theil auch wegen der Nachzügler, die in kleineren Rotten der großen Armee nachfolgten und sich auch ebenfalls manche Unfüge und Gewaltthätigheiten erlaubten, ob­schon ihnen dieß durch einen Generalbefehl des Marschalls Berthier im Namen des französischen Kaisers scharf verbothen war, bis endlich durch die erfreuliche Nachricht von dem am 26ten De­zember 1809 zu Presburg in Hungarn geschloßenen und unter­zeichneten Frieden getröstet worden sind. Gott erhalte uns den goldenen Frieden bis in das späteste Greisenalter. Dieß ist unser aller Wunsch.


1809.

Aufgezeichnet von Pfarrer Karl Schweiger.


In diesem Jahre hat sowohl der Markt Sierndorf als auch die Pfarre bei dem zweyten Einfall der Franzosen in Nieder­österreich überaus viel gelitten. Nach der am 5ten und 6te  Juli unglücklichen Schlacht bey Deutschwagram wurde Sierndorf am 9ten July in Rückzügen von der Mährischen   angezunden, wobei zwey drittl des Orts und dabey die meisten Häuser des Ortes licht ausgebrannt der damalige Herr Pfarrer Karl Streichers flüchtete sich anfangs nach Oberhautzenthal von da nach Stran­zendorf in den Wald, welche sehr viel von seiner Einrichtung, Eß Waaren und dergleichen im Werthe bey zwey Tausend Gulden in Banco Zettln, bey seiner Rückkehr wurde er zwar in dem herrschäftlichen Schloß aufgenommen und ernährt, aber auch nach eingetrettenen Waffenstilstand noch mißhandelt; es wurde auf ihn von den wüthenden Feinden geschossen und der­gleichen mehr. Den 15ten October ist endlich der erwünschte aber überaus theuer erkaufte Frieden eingetreten.

Stetteldorf am Wagram.

Die Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Joh. Bapt. Marek gemacht.



1805.

Der vor fünf Jahre zwischen Frankreich, Österreich und dem Römisch deutschen Reich zu Lünevill geschlossene Friede nahm in diesem1805 Jahr ein Ende. Die über den Reinfluß gesetzten Franzosen, durchstriechen Pfalz und Bayer im Monat October um Ulm geschahen drey blutige Gefechte, in welchen zweyern erstern Österreich mit Schaden weichen mußte, im dritten aber glücklichen Widerstand leistete, ungeachtet drangen die Franzosen jenseits der Donau in das Oberösterreich so schnell ein, daß Sie am 11. und 12ten Tag des November schon im Unterösterreich im Viertel ober Wiener Wald bey Herzogburg und der Stadt Tuln ihre Lager errichteten. Die k. k. österreichische Regimenter zogen indessen dießseits der Donau aus Oberösterreich herab in das Viertel untermanhardsberg gegen die Stadt Wien zu, aus welcher sich der k. k. Hof und der meiste Adel entfernte.

Hier im Markt Städteldorf lagen am 7ten November im Schloss Juliusburg Herr Oberstwachtmeister von Kürassier Hohen­zohler Regiment mit gegen 250 Pferd im Quatier, wie auch ein Oberleutnant, ein Wachtmeister und 56 gemeine, im Markte lagen von Hohenlohe 15 Mann. Von Merfeld Uhlahnen 50. Von Lichten­stein Hußaren 120. Von Erzherzog Johann Dragoner 36. Von ungarische Gränzregiment Infanterie 139. Nach diesen folgten am 9ten und l0ten November nebst andern auch von dem Steini­schen Regiment   zusammen 925 Mann.

Am 15. November kamen Franzosen, welche mir und andern Pferd genommen, meines bekam ich aber wiederum am diesen Tag. Am 19ten November rückten um Mittagszeit 1600 Mann hier ein, blieben über Nacht. ich hatte 3 Officiers über Nacht. Diese französische Mannschaft nahm aber den 20ten wiederum früh 8 Uhr ihren zug nach Wien. Am 22. November sind früh morgens, da ich die Meß gelesen, die Fenster im Schlafzimmer eingeworfen worden. Den 27. November waren über Nacht über 40 Husaren Franzosen hier. Da in eben diesem Monat die Franzosen in die Stadt Wien mit Einwilligung des Stadt Kommandanten, und des Bürgermeisters einrückten, und die Stadt Thore sowohl von den Bürgern als auch Franzosen. bewacht wurden, ward ein Waffenstillstand angekündet, und aus Vorsichtigkeit nebst anderen Verordnungen im Monat Dezember in der Christ oder Weihnacht die Kirchen zu schließen, und früh morgens um 5 Uhr den sonst gewöhnlichen Gottesdienst in der ganzen Wiener Diöces zu halten befohlen.

Die Verordnung lautete, wie folget: Die dermalige Lage des Erzbischöflichen Wienerischen Kirchensprengels, die vielen schweren Geschäfte des Volkes, die nothwendig besondere Aufsicht auf die eigenen Haushaltungen fordern, daß man allen nächtlichen Zusammenfluß der Leute, soviel als möglich ist, verhüte. Aus diesem Grunde verordnen Seine fürstliche Gnaden, unser Herr Erz­bischof, daß die sonst in der Christnacht gewöhnlich gehaltene Andacht auf fünf Uhr frühe des Christtages selbst übertragen werde. Diesem zufolge werden in der Christnacht alle Kirchen ohne Ausnahme der ganzen Diözes gesperrt bleiben, und alle Messen in der Christnacht streng untersagt. Die Metten, das Hochamt, die anderen   hl. Messen sollen am Christtag selbst um 5 Uhr frühe anfangen. Am 28ten December 1805 ist der Fried öffentlich von den Kreisämtern angekündet worden. Die Ankündigung aus dem Kreisamte Korneuburg besteht in folgende Ausdruck:

Seine Excellenz der Herr Marschall von Frankreich Soult hab mir die erfreuliche Nachricht mitgetheilt, daß der Fried zwischen Seiner Majestät dem Römisch und Österreichischen Erbkaiser, und Seiner Majestät dem Kaiser der Franzosen zu Pressburg ge­schlossen worden sey. Ich eille diese erwünschte Ereigniß dem Publikum bekannt zu machen, und es einzuladen, Gott den aller­höchsten.. die schuldige Danksagung bei St. Stefan abzustatten, woselbst das Te Deum heut um 11 Uhr feyerlich abgehalten werden wird.


Wien, den 28. Dezember 1805.

Rudolf Graf Wrbna, Landesfürstl. Hofkommissär.


Nachgedruckt im k. k. Kreisamt in V. U. M. B. zur erfreulichen Nachricht der gesammten Kreisbewohner.

Kreisamt Korneuburg, 28. Dezember 1805 Czech, Kreishauptmann.


1806.

Mit dem Monat Jänner des 1806ten Jahres nahm also die Rückkehr der Franzosen von Wien und Unterösterreich ihren Anfang allgemein vor.

Schon am 30. December 1805 kammen gegen 400 Franzosen Cavallerie hieher in das Schloß und den Markt.

Ich bekamm in den Pfarrhof zwey Officiers einen Primär und Sekundär Kriegskommißär mit drey Bedienten und zwey Pferden. Diese blieben Tag und Nacht bis den 6ten, Jänner 1806 hier. Nebst denen unkösten und unruhen, die man sich einbilden kann, um diese Gäste, die noch dazu andere einladeten, Mittags und Abends hier speisten, zu bedienen, mußte ich noch für einen, wie sie vorgaben, ihnen geraubten Sattel 45 fl. zahlen, wenn ich nicht, nach ihrer Drohung, meine zwey Pferde verliehren wollte.

Den 8ten Jänner 1806 kamen wiederum, da ich mein Mittag­mal aß, vier Officiers, hielten um ein Mittagmal an, nachdem sie es genossen, reiseten sie nach Königsbrunn; Gegen 3 Uhr rückten wiederum 4 Officiers mit 2 Bedienten und 2 Pferden ein, aßen um 4 Uhr ihr Mittagmall, um 8 Uhr das Nachtmall, mußten ihnen 4 Bethen zurichten. Den 9ten nach eingenommenen Frühstück, reiseten sie nach Kircherg ...

Ungeachtet ich schon im vorigen Jahre 1805 den 20ten De­zember eine ganzjährige Contributions Steuer, als ein Darlehen in Gold und Silber 78 fl. 52 kr. wegen des dem Niederösterreich von den Franzosen verursachten Schadens dem löbl. Ausschuses Kollegio ablegen mußte, hatte ich doch wiederum den 16ten July in diesem 1806ten Jahr, zwey Dominikals Raten pr 57 fl. 28 kr. in dem Landschafts Obereinnehmer Amt abzugeben, den 20ten No­vember wiederum 8 fl. 10 kr. Realitäten   Steuer ebenda zu er­legen.

Da im Jahr 1805 sich die französischen Armeen in Oester­reich hier sogar bis zur Stadt Wien ausbreiteten, und im Monat Dezember ohne schändlicher Belagerung ihre Wohnungen in, und vor der Stadt durch Einverständniß des Kaisers hatten, ist durch Anordnung des Hochwürdigsten Fürsten, Herrn Erzbischofs Herrn Sigmund Anton, aus den Grafen von Hohenwart in Gerlachstein der sonst gewöhnliche feyerliche Gottesdienst in der heiligen Weihnacht eingestellet, und auf die Frühstunden übersetzet worden. Eben diese Verordnung kam nach dem Frieden in diesem Jahre 1807 zur Erfüllung, wiederum wie folget: Seine fürstliche Gnaden unser gnädigster erzbischöfl. Herr Ordinarius haben für die wahre Andacht, und Sittlichkeit am zweckmäßigsten zu seyn erachtet alle Feyerlichkeit der Weihnacht einzustellen. In der ganzen Wienerdiöces sollen ohne Ausnahme alle Kirchen gesperrt bleiben, am Christtag aber selbst die Metten das Hoch­amt, und die anderen hl. Messen von 4 Uhr früh nach Um­ständen jeder Kirch gehalten werden.
Ex Consistorio Archiepiscopali.

Wien, den 1. Dezember 1807


1809.

Da die Franzosen noch immer ihren Krieg in Europa fort­setzten auch Spanien sich unterjochen wollten, vereinigten sich das noch übrige römische Reich, mit Russen, Oesterreich, Hun­garn und anderen Mächten wider Frankreich. Zur Unterhaltung der österreichischen Regimenter mußten Herrschaften und be­güterte Geistliche ihre Beyträge abgeben.

Die Pfarre, und die Kirche hier in Städteldorf hatten nach Stockerau, Korn und Hafer zu liefern, Ich Pfarrer mußte, den 21. Februar 13 Metzen Korn, und 15 Metzen Hafer abführen, und am 3. März wiederum nach St. Pölten 15 Metzen Hafer liefern. Den 22. Februar in das Landhaus erstes Quartals Raten 85 fl. 41 kr. das zweyte, für dreyviertel Jahr den 11. April zum Voraus 165 fl. erlegen. Am 11ten Tag des Märzens rückten aus der vor kurzer Zeit errichteten österreichischen Landwehr gegen 200 Mann von der Stadtwiener Landwehr in den allhiesigen Markt ein. Jedes Haus wurde besetzet. Ich bekam einen Oberleutenand, den Herrn Baron von Portenstein mit seinen zur Bedienung bestimmten Personen. Diese Mannschaft wohnte hier bis zu dem Ende des Märzens, da sie von hier aus nach Krems, und von da aus, nach Tyrol gezogen. Ans allen Städten, Märkten, und Dörfern in Unter  und Oberösterreich sind nicht nur Ledige, sondern auch Verehlichte junge Männer in diese Landwehr angenommen worden.

Die von Maximilian Freyherrn von Sommer berck (?) k. k . Feldkaplan bey der Stadtwiener Landwehr bey Gelegenheit der feyerlichen Fahnenweihe in der Metropolitan Kirche zu St. Stephan abgehaltenen Rede gab nicht nur Se. k. k. Majestät, und allergütigsten Landesfürsten, wie auch seiner durchlauchtigsten Familie Absicht, Eifer und Vorsicht, sondern auch die Pflichten dieser Landwehr zum ewigen Angedenken zu erkennen. Dieser k. k. Feldkaplan hielt auch in hiesiger Pfarrkirche an dem Feyertage , Mariä Verkündigung an die hier liegende Mann­schaft eine vortreffliche Rede von dem Gehorsam nach dem Beispiel Mariä.

Nachdem die Franzosen nicht nur im Viertel unter Wiener­wald herumstreiften und viele Örter in Schaden setzten, fielen sie auch in dem Viertel unter dem Manhartsberg ein, und kamen endlich von Stockerau auch hieher den 10. July über 200 Mann. 4 Officier übernachteten hier im Pfarrhof. Die Mannschaft im Schloß und im Markte, durch die gute Bewirthung aber geschah es, daß sie den 11ten früh um 5 Uhr alle friedlich nach Weikers­dorf giengen. Es rückten zwar um 8 Uhr den 11ten wiederum 500 Mann ein, nahmen aber ganz ruhig ihr Mittagmal ein, und eilten der ersten Mannschaft nach.

Aus dem „Jngedenkbuch“ der Pfarre Hausleuthen,

Die Aufzeichnungen aus dem Jahre 1805 sind von Pfarrer Joh. Nepomuk Veigl gemacht, der von 1796 1820 Pfarrer in Hausleuthen war, den Bericht über 1809 dürfte vielleicht ein Cooperator geschrieben haben.


1805.

Den 14. November, nachdem die österreichischen Truppen abermals geschlagen und retiriren mußten, welches wieder viele Einquar­tierungen verursachte, sind in der Frühe mehrere Tausend fran­zösische Truppen Stockerau passiert und auf Oberhollabrunn den Russen entgegengeflohen. Gegen 4 Uhr nachmittags ritten in Goldgeben bei 400 Mann französische Grenadiere von der Division d'Haupoult mit einem General ein, gaben vor, dass sie mit dem deutschen Kaiser Franz Frieden gemacht, als Freunde zu uns kommen, und nur die Russen aufsuchen. Gegen Abend errichteten sie sehr viele Wachfeuer von Stockerau, Zögersdorf bis Goldgeben. Zwischen 8 und 9 Uhr der Nacht ritten der Divisionsgeneral d'Haupoult mit 3 Kürrassier Regimentern in Hausleuthen ein, nahm mit seinem Generastaab und Adjutanten im Pfarrhof Quartier, es waren 8 bis 10 Officiers von höherem Range, bei 150 200 Pferden, bei 40 Mann Ordinanzen, und eben so viel Mann für die Wachen hier im Pfarrhofe einquartiert, denen Kuchelzimmer, Stallung, Kasten, Heuboden, Schuppen und Stadel Preis gegeben werden mußte. Sie haben sich in der Nacht in dem ganzen Orte sogleich in 3 Theile vertheilt und jedes Regiment sich selbst einquartiert, und wenn sie in einem Hause nicht Haber und  Heu fanden, so giengen sie, nachdem sie den Hauswirth ziemlieh hart hergenobmen, in andere Häuser, wo sie das Benöthigte zu finden glaubten. Daß dieses dem Pfarrer ungemein viel gekostet haben möge, ist sehr leicht vorzustellen.   Im Pfarrhofe selbst waren eben der k. k, Major Eperiesi von Johann Jellachitz Infanterie mit einem blessirten Haupt­mann, einem Lieutenant, einem Kadeten, 13 Gemeinen und 14 Pferden sammt Bedienten und Stallleuten auf der Retirade ein­quartiert. Die Franzosen haben sie zwar bei ihrer Ankunft sehr höflich empfangen und ihnen alle Güte versprochen, sie in ihrem Zimmer nicht beunruhiget, doch beim Schlafengehen verlangt, daß die Gemeinen sich mit ihren Gewöhren entfernen möchten, welche im 1ten Stocke im steinernen Saale Unterstand nehmen mußten, weil sonst für sie kein Platz im Hause war. Als weder ich noch ihre Officiere ihnen in der Nacht einen Platz anweisen konnten, so befahl der französische General nach der zweyten Aufforderung ihrer Entfernung, daß sie ihre Gewöhre auf das im Hause befindliche französische Wachtzimmer abgeben, und den anderen Morgen selbe wieder erhalten sollten,   den 15. Morgens erklärte der General den k. k. Major sammt seiner ganzen Mannschaft als Kriegsgefangene, schickte sie mittelst Excorte als solche nach Wien, nahm ihnen 8 ihrer schönsten Pferde, welche dem General Jellachitz gehörten, für sich ab. Er Mittagmahlte noch hier mit seinen Leuten, und nachdem er sich auf meine Rechnung aus der Fleischbank bei 2 Zentner Fleisch, dann Hausgeflügel, Mehl, Brod, Schmalz, Haber und Heu auf seinen Kuchelwagen packen ließ; nahmen sie ihren Marsch nach Sierndorf und Oberhollabrunn, wo nachmittag auch schon eine sehr blutige Schlacht geliefert wurde zum großen Nachtheile der Franzosen; doch mußten die Russen weichen, und wegen der feindlichen Übermacht den Platz räumen.

Den 15. November Nachmittag kamen 12 Mann Jäger mit geladenem Gewöhr in den Pfarrhof, meldeten Quartier für 400 Mann berittene Artillerie und fiengen an zu plündern   sie raubten mir alle Kleidungsstücke und alles, was noch nicht in Sicher­heit gebracht war; sie forderten Geld, und ich gab ihnen bei 1200 fl. die ich wegen zu erwartender Brandschätzung in meinem Zimmer in Bereitschaft hatte, weil ihrer viele mich umgaben, und von allen Seiten das geladene gespannte Gewöhr anhielten. Endlich warf ich ihnen den Kastenschlüssel vor und sie fanden noch bei 800 fl. baares Geld, welches sie nebst verschiedenen Pretiosen, Wäsche und Kleidungsstücke mit sich nach Wolf­passing schleppten, wo sie ihren Raub im Wirthshause getheilt haben sollen, dies war in Wahrheit ein Schrecken Tag.

Unterdessen kamen fast täglich Nachziegler und Streif-­Commanden von 20 bis 30 Mann, welche Haber, Heu, Essen, Trinken und Geld forderten, man gab ihnen Speise und Trank, und was aufzubringen war, wies ihnen aber zugleich die offen stehenden ausgeraubten Kästen, und suchte sie damit so viel möglich zu befriedigen, was auch bei den meisten gute Wirkung that, bis auf 12 Fuhrwesensknechte, welche nach 9 Uhr mit 24 Pferden mit Gewalt sich einquartierten und sich äußert unruhig betrugen, die ganze Nacht ihre Pistollen abfeuerten und raubten, was sie noch auffinden konnten.

Nach 14 Tagen ungefähr rückte hier das 14te Linien In­fanterie Regiment ins Stand Quartier ein; im Pfarrhof stieg der General Major Maza ab, ein sehr artiger Menschenfreund, welcher außer seinen Pferden und Domestiquen keinen anderen Mann hier einquartieren ließ, sogar seine Wache mußte ausser dem Pfarrhause in dem Thorzimmer wohnen, und durfte nicht den mindesten Unfug ausüben. Aber zum Unglück bekam er schon in der ersten Nacht den Befehl, nach Austerlitz zu marschieren, wo er auch in der Schlacht geblieben. Darauf gieng ein k.k. Artillerieterrain von 300 bis 400 Kanonen und Munitionswagen von Krems nach Wolfpassing und Zissersdorf hierdurch unter dem Commando des k. k. Feldmarschalllieutenant von Schuchai und weil er von den Franzosen vernahm, daß sie mit den Kaiserlichen Frieden gemacht haben, machte er dem französischen Generalen zu Wolfpassing seine Aufwartung, wurde aber von selben mit seiner ganzen Artillerie als Gefangener erklärt und nach Wien geschickt. Weil die Wägen nicht sogleich weggeschafft, auch nicht von den Franzosen bewacht werden konnten, so haben die Einwohner von Wolfpassing, Seitzersdorf und Zissers­dorf mehrere Pulverwägen ausgeraubt, und das Pulver und Bley zu verbergen gesucht. Die Wolfpassinger haben 7 derley Wägen ... in Empfang genommen, ja sogar das Eisen von den Rädern abgeschlagen, wodurch denn geschehen, daß 4 derley Wägen zerbrochen, das Pulver sich entzündete, und die Wägen sammt Munition in die Luft flohen, es sind dabei 5 Kinder todt geblieben, und bei 8 sehr verbrannt, doch beim Leben erhalten worden.

Den 27. Dezember ist eine Abtheilung franz. Artillerie hielier ins Quartier verlegt worden, Im Pfarrhofe quartierte ein Rittmeister, ein Oberlieutenant, ein Oberfeldarzt mit 8 Gemeinen, 16 Pferden und den benöthigten Stallleuten ein. Die Gemeinen machten lästige Forderungen, und alle überhaupt verursachten viele Unkösten, daß ich meinen zur Zeit der Franzosen erlittenen Schaden ganz leicht auf 6000 fl. anschlagen darf. Gott be­wahre uns vordem öfteren Besuche solcher Gäste. Den 6. Jänner 1806 haben die Franzosen von uns ganz höflichen Urlaub genohmen und unsere Gegend verlassen.

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