Ana səhifə

WÖrterbuch des alten hebräisch nach wortwurzeln geordnet


Yüklə 0.93 Mb.
səhifə1/31
tarix17.06.2016
ölçüsü0.93 Mb.
  1   2   3   4   5   6   7   8   9   ...   31
WÖRTERBUCH DES ALTEN HEBRÄISCH
NACH WORTWURZELN GEORDNET

von
Alfred Liebezahl


ERSTER BAND ALÄF BIS DALÄTH

VORWORT

(vom 26.8.2001)


Die Idee zu einem solchen Wörterbuch hatte ich schon vor etlichen Jahren, aber ich habe damals nur einen halbherzigen Versuch unternommen, sie in die Tat umzusetzen, und dann in der Meinung, das müsse ein anderer tun, sie ganz liegen lassen. Und wie es kam, daß ich sie jetzt wieder aufgreife -- oder viel mehr wie sie mich ergriff und nun mit sanftem aber sich steigerndem Nachdruck dazu animiert, das Werk zu beginnen, das will ich hier ganz kurz erklären.

Ich komme gerade von einer längeren und nicht ganz ungefährlichen Reise nach Südostasien zurück und hatte als einzige Lektüre meine kleine Reisebibel dabei, in hebräischen Zeichen, die gerade so klein sind, daß ich als Myoper sie ohne Brille sehr gut einsehen kann. Aber ich hatte kein Wörterbuch mit mir -- bewußt nicht -- genommen, um mich zu prüfen darin, was ich verstehe. Da gab es dann doch einige Wörter, deren Sinn ich nicht mehr wußte, ich konnte mir nur ihre Stämme oder Wurzeln anschauen, ohne sie ganz zu begreifen. Und da dachte ich bei mir, wenn ich die Bedeutung der Wörter aus diesen gelernt und assoziativ mit ihnen verbunden hätte, dann wäre es mir leichter gewesen, sie zu erinnern.

Indem ich im Geiste schon auf der Reise begann, die aus einem Wort-Stamm sich verzweigenden Äste zu sehen, trat ein Ordnungsgebot deutlich an mich heran, das früher noch nebelhaft war. Und es verlangt die Überschreitung des bloß linguistischen Rahmens, weshalb ein Etymologe gar manches auszusetzen hätte an meiner Anordnung, besonders in der ersten Abteilung. Ich erlaube mir nämlich, die drei Buchstaben des göttlichen Namens, das Heh, das Waw und das Jod, hervor zu heben, so daß sie hier wie Wesen einer eigenen Sfäre den restlichen neunzehn gegenüber eine besondere Stellung einnehmen. Dasselbe tun sie auch in ihren Zahlen, denn sie haben bekanntlich mehrere Gesamt- und Verbindungswerte (das Heh und das Waw jeweils drei und das Jod zwei), während die übrigen alle nur je einen Gesamt- und Verbindungswert haben. Und in diesem Büchlein tun sie es dadurch, daß sie keine Wortwurzeln oder Wortstämme wie die übrigen bilden, sondern allgemein bleiben -- und wenn sie sich mit jenen, die immer konkreter werden, verbinden, dann ist es so, als flösse aus einer anderen Sfäre in sie ihr Strahl -- aber ohne sie in ihrer Eigenheit zu verändern, sondern sie viel mehr erweiternd und ihre verborgenen Seiten in Schwingung bringend.
Es giebt nur zwei Verben, die aus den Buchstaben des göttlichen Namens entstehen, sie heißen Hawah (5-6-5) und Hajah (5-10-5), und beide bedeuten "Sein" und "Werden" zugleich. Aber während Hajah "nur" diesen Sinn hat, bedeutet Hawah (oder Howah) dazu noch "Fall und Unfall, Unglück und Verderben". Es ist auch der "Absturz" und der "Abgrund", in den hinein er erfolgt, und es ist die "Leidenschaft" auch, die uns hinein reißt in den Abgrund dieser Welt -- ob wir es wollen oder auch nicht -- denn diese Kraft ist dieselbe wie bei der Geburt und beim Tod. Und Howäh gesprochen, aber genauso gechrieben, ist es die "Gegenwart". Der göttliche Name beginnt mit dem Jod -- als Ausdruck der dritten Person männlich -- und seine Wurzel ist Hawah, er wird geschrieben Jod-Heh-Waw-He (10-5-6-5), was uns mitteilt, daß er das gesamte Spektrum von Hawah ausfüllt -- also den "Fall" in das "Verderben" mitmacht und immerzu "Gegenwart" ist.

Von Hawah (5-6-5) stammt der Weheruf Hoj (5-6-10), den die Profeten so viele Male ausstoßen -- und vielleicht liegt sein Grund in dem Fehlen des zweiten Heh, der zweiten Fünf, die im Gottesnamen anwesend ist. Wenn wir ihn umgekehrt lesen -- was unsere Aufgabe ist, da wir als "Heiden" von links nach rechts schreiben -- dann lautet er Heh-Waw-Heh-Jod (5-6-5-10), das zweite Heh steht da für das Göttliche Kind, und wenn es eliminert wird, dann schallt das Hoj aus dem Abgrund, und der Untergang kommt unausweichlich. Aber aus dem tiefsten Elend erklingt die Verheißung: ki Jäläd julad lonu Ben nithen lonu wathehi haMissrah al Schichmo -- "ein Kind ist uns trotzdem geboren, ein Sohn uns gegeben, und geschehen wird auf seiner Schulter der Streit".

Noch zwei Weherufe finden sich in der Schrift als Bruchstücke des göttlichen Namens, ein jeder von ihnen nur an einer einzigen Stelle, der eine ist Hah (5-5) und der andere Ho (5-6). Den ersteren hören wir da, wo es heißt: Ben Adam hinowe we´amartha koh omar Adonaj Jehowuah hejlilu Hah la´Jom (Jech.30,2) -- was in doppeltem Sinn zu verstehen ist, denn Halal (5-30-30) heißt zugleich "Jauchzen und Jubeln, Lobsingen, Rühmen und Preisen" und "Rasen und Toben, Unsinnig-Werden, Töricht- und Wahnsinnig-Sein". So müssen wir gleichzeitig lesen: "Menschen-Sohn, profezeie und sprich: so redet meine Basis, das Wesen des Seins: jauchzet Hah! in Bezug auf den Tag" -- und: "der Sohn-Mensch ermöglicht die Vision und du sprichst, so bin ich verwechselt, meine Grundlage das Unglück: Rasende sind sie, Hah! zum Tage". Mit dem "Tag" ist der Zeitpunkt der Vernichtung der Alten Welt und das Kommen der Neuen gemeint, und tatsächlich sind zwei Einstellungen möglich in der Beziehung auf diese unvermeidliche Krisis, das sinnlose Toben und der befreiende Jubel. Somit ist das Hah (5-5) nicht nur als Weheruf anzusehen, sondern auch schon als ein Ausbruch der Freude.

Und das Ho (5-6) hören wir gleich zweimal hintereinander an der einzigen Stelle, wo es vorkommt: Lachen koh omar Jehowuah Älohej Zewaoth Adonaj bechol Rechowoth Missped uwechol Chuzoth jomru Ho Ho wekar´u Ikor äl Ewäl uMissped äl Jod´ej Nähi uwechol Keromim Missped ki ä´äwor beKirbcho omar Jehowuah -- "Daher spricht so das Wesen des Seins, die Gottes-Kraft der Kriegerinnen, meine Grundlage: Totenklage in allen Reichweiten! und in allem nach Außen Gespaltenen sagen sie: Wehe! Wehe! Und sie rufen den Landmann zur Trauer, und die Totenklage ist auf den Kennern der Trauergesänge, und die Totenklage ist in allen Weinbergen, denn ich durchquere dein Inneres -- (so) spricht das Wesen des Seins" (Amoss 5, 16-17).

Von der Fünf-Sechs, vom Heh-Waw, ist vieles zu sagen, denn es ist zugleich die Mitte und die (umgekehrt gelesene) erste Hälfte des Namens 10-5-6-5. Und als Mitte steht es darinnen und ist nur so lange "Wehe!" wie dieser Name nicht vervollständigt wird -- nach beiden Seiten, zum Jod und zum Heh, die auch die erste Hälfte des Namens sind, das Jah (10-5), die Verbindung der in der Zehn neu geeinten doppelten Fünf und dieser allein und getrennt von der andern. Und wenn wir den Namen umgekehrt lesen, also von unserer Seite, dann steht zuerst das Heh-Waw da, die Verbindung des sterblichen Kindes mit dem auferwachsenen Menschen, durch den allein die Verbindung mit dem unsterblichen Zwilling erreicht werden kann. Das sterbliche Kind ist auf diesen erwachsenen Mensch angewiesen, nicht nur in der Kindheit, sondern das ganze Leben hindurch, und du selbst bist dieses Waw nun geworden, das verbindet und unermüdlich die Einheit des Irdischen und des Göttlichen sucht. Und "Wehe!" ist es so lange wie die beiden Zwillinge einander nicht finden. Ki ä´äwor beKirbcho -- "denn Ich durchquere dein Inneres, Ich gehe vorüber in deinem Leib, Ich schreite über deine Mitte hinaus" -- das ist auch die Botschaft des Namens.
Zur Verwendung kommen die drei Wörterbücher, die mich schon die ganzen Jahre begleiten und die wie üblich alfabetisch angeordnet sind: "hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament" herausgegeben von Georg Fohrer, Berlin 1971, des Wilhelm Gesenius "hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament", Berlin 1962, und das "Handwörterbuch Hebräisch-Deutsch" von Jaacov Lavy, Berlin 1975. Und unentbehrlichen Dienst leistet mir auch "A new Concordance of the Bible" edited by Abraham Even-Shoshan, Jerusalem 1990. Die hier ausgeführte Kompilation soll als Ergänzung meinem poetischen Lehrbuch "Zeichen der Hebräer" zur Seite stehen und zusammen mit dem "Zahlen-Lexikon", worinnen geordnet nach Zahlen die zugehörigen Wörter und Wendungen stehen. Diese drei werden vielleicht auch anderen einst von Nutzen sein können.
P.S.: von den Eigen-Namen will ich nicht alle erwähnen, aber die (mir) wichtigsten schon.

ERSTE ABTEILUNG


Wortwurzeln aus einem einzigen Zeichen

Zu diesen zähle ich neben den Wörtern, die außer den drei des göttlichen Namens nur einen einzigen Buchstaben haben, auch Verben wie Natah (50-9-5), "Sich-Neigen", oder Nachah (50-20-5), "Erschlagen-Werden", weil sie in ihren Flexionen unverändert nur ihre Mitte behalten, also im Beispiel das Teth, die Neun, beziehungsweise das Kaf, die Zwanzig, denn wajet (6-10-9) heißt "und er neigt sich", und wajach (6-10-20) "und er schlägt".

ALÄF, EINS
Aho (1-5-5)
"Ach! Wehe! -- Ruf abwehrenden Erschreckens" -- und ich würde ergänzen: "beschämender Ruf des Erschreckens vor der plötzlich einbrechenden Wahrheit". Wir können den Sinn dieses Rufes verstehen, wenn wir seine Schreibung wieder auf die des Namens beziehen: statt der Zehn steht die Eins, das heißt die Verbindung zur Gegenwart gelingt nicht, man bleibt befangen, in einer imaginativ verklärten und dämonisierten Vergangenheit stecken, und es fehlt die Sechs zwischen der ersten Fünf und der zweiten, die beiden Kinder, der sterbliche und der unsterbliche Zwilling, sind nicht im Menschen geeint.

Das Wort kommt in der Thorah nicht vor und begegnet uns erstmals im Buch Jehoschua ("Josua"), und zwar da wo dieser sagt: Aho Adonaj Jehowuah lamah he´awartho ha´awir äth ha´Om hasäh äth ha´Jarden latheth othanu be´Jad ha´Ämori le´hawidenu welo ho´alnu wenäschäw be´Ewär ha´Jarden -- "Ach! mein Herr, Wesen des Seins! Für was bringst du herüber, dieses Volk über den Jordan hinüber? Um uns in die Hand der Amoriter (der Verwechsler) zu geben? Um uns zugrunde zu richten? So sei doch bitte so gut und laß uns in das Jenseits des Jordan umkehren!" (7,7).

Nur noch zwei weitere Stellen sollen hier zitiert werden, um die Atmosfäre von Aho zu zeigen: Aho Adonaj Jehowuah ki al ken ro´ithi Mal´ach Jehowuah Ponim äl Ponim -- "Wehe! meine Basis ist der Fall in das Unglück, ist das Wesen des Seins! Denn (nur) darum sah ich den Boten des Unfalls, des Wesens des Seins von Antlitz zu Antlitz" (Richter 6,22). Der Satz bricht ab in der Rede, und Gid´on (3-4-70-6-50), der hier spricht und dessen Name Gad-Awon gelesen das "Glück der Schuld" ist, verstummt, weil er glaubt, nun sterben zu müssen. Aber der "Herr" sagt zu ihm: Schalom lecha al thira lo thamuth -- "Friede für dich! Fürchte dich nicht! Nicht wirst du sterben -- Vollkommenheit dir! Ehre das Eine! Dem Einen zulieb darfst du sterben."

Und in Richter 11,35 ist es Jifthach, der es ausspricht indem er sagt: Aho Bithi hachrea hichrathini -- "Weh! meine Tochter! in die Knie brechen, in die Knie brechen machst du mich!" Ich habe an anderer Stelle gezeigt, daß die Tochter von Jifthach nicht wirklich stirbt, und hier muß der Hinweis genügen, daß dem Aho (1-5-5) die Kraft innewohnt, in den Namen zu führen: denn die Eins führt wieder zur Zehn, und unterwegs muß sich das Waw der beiden verwaisten Kinder annehmen!

O (1-6)
"Oder (oder sogar, wenn aber, wenn gar)" -- O O -- "sei es (oder) sei es". Hier haben wir als Ausdruck der Alternative die Verbindung und Entgegen-Stellung von Aläf und Waw, der Eins und der Sechs, es kommt also alles darauf an, wie die Sechs Tage den Einen verstehen und der Eine die Sechs. Und gleichzeitig ist das Waw auch die Endung (das Suffix) für "Sein", unser "Possesiv-Pronomen" der dritten Person männlich, so daß wir das O (1-6) auch als "sein Aläf, sein Zeichen der Eins" zu verstehen haben. "Seine Einheit" ist hier niemals zu haben, denn immerzu stellt sie uns vor die Entscheidung -- und verlangt von uns die Unterscheidung von Eins und Sechs, von Wirken und Ruhen, Erschaffen und Wieder-Vernichten, Zerstreuung und Sammlung.

Das Wort kommt in der Schrift seiner elementaren Natur entsprechend ziemlich oft vor, und wir können hier nur seiner ersten Erscheinung gedenken: we´atha im Jäschchäm Ossim Chässäd wä´Ämäth äth Adoni hagidu li we´im lo hagidu li we´äfnäh al Jomin o al Ssmol -- "und jetzt! wenn euer Dasein Werke der Gnade und Wahrheit mit meinem Herrn ist, teilt es mir mit, und wenn nicht, teilt es mir mit, und ich werde mich wenden auf die Rechte oder die Linke" (Gen. 24,49). Mit diesen Worten endet der Knecht von Awraham seine lange Rede zur Werbung der Riwkah, und die Antwort, die ihm Lawan, ihr Bruder, und Bethu´el, ihr Vater geben, beginnt mit den Worten: me´Jehowuah joza haDawar lo nuchal daber eläjcha Ra o Tow -- "vom Wesen des Seins und des Werdens ist die(se) Sache gekommen, (und) nicht können wir sprechen zu dir: Bös oder Gut" (Vers 50). Sie verneinen also den Zwang zur Entscheidung, den er ihnen auferlegen wollte, und jedes "Wort" oder "Ereignis" (Dawar, 4-2-200), das als vom "Herrn" ausgehend erfunden wird, kennt nicht mehr die Qual der Entscheidung, da die Antwort vollkommen spontan und rückhaltlos und wie von selber da ist. Und die Entscheidung für sie erweist sich als richtig, da sie der Riwkah nicht aufgezwungen wird von den Männern, sondern mit ihrem eigenen Willen übereinstimmt (Vers 57-58).

Awah und Iwah (1-6-5)
Awah ist "Wunsch, Wille, Begierde", und Iwah (genauso gechrieben) "Wünschen, Wollen, Begehren". Von hier aus besteht ein Übergang zu Nawäh, 50-6-5, das (Nawah gelesen) als Nifal von Awah aufgefaßt werden kann und als solches "Sich-Wünschen und Erwünscht-Sein" bedeutet, was zu Nawäh paßt: "Schön, Lieblich, Angemessen, Geziemend, Gemäß" und auch die "Weide", die "Aue" (siehe weiteres dazu beim Nun). Das Wort kommt zum ersten Mal vor in der zweiten Fassung der "Zehn Gebote" (die in Wirklichkeit Assäräth haDworim sind -- "Zehn Worte, Zehn Sachen") und zwar da wo es heißt: welo thithawäh Bejth Re´ächa -- "nicht sollst du das Haus deines Nächsten begehren!" (Deut. 5,18). Wir müssen uns hier auf den Hinweis beschränken, daß das "Haus" ein Symbol für die "Welt" und den "Leib" ist -- und können so die Empfehlung vernehmen, daß es töricht wäre, die Welt oder den Leib eines anderen Menschen als das Eigene zu begehren, das heißt zum Eigentum machen zu wollen. Die je eigene Welt und der je eigene Leib ist genug, denn sie sind durchdrungen von dem Impuls, in die Übereinstimmung mit dem Ganzen zu kommen; und auf dem Wege dorthin giebt es der Begegnungen viele, die wie ein zu Gast-Sein beim Anderen sind oder das ihn als Gast im Eigenen Empfangen -- aber niemals "Besitz und Besessen-Sein" sollen. Und weil Rea (200-70), der "Nächste", auch Ra ist, das "Übel", so lautet die Empfehlung auch so: "nicht wirst du das Haus deines Übels begehren!"

Nun wissen wir aber, daß wir genau dieses doch tun, da wir unsere Welt und damit auch unsere Leiber in Stätten entsetzlichen Horrors verwandeln und nunmehr darin den Gipfel erreichen. Lo (30-1), das hebräische Wort für die Verneinung, das "Nicht", ist aber immer auch Lamäd-Aläf zu lesen: "für die Eins, der Einheit zuliebe – das Erlernen und Lehren des Prinzipes von Aläf, der Hauptsache des Stieres!" Und es ist kein Zufall, daß der Stier und die Kuh in der Mißhandlung der Tiere durch die menschliche Bestie an vorderster Front stehn. Aber all dies muß geschehen, damit wir das "Haus unseres Übels" erkennen und unser Begehren von ihm abwenden können. Nur eine Stelle sei noch zitiert, damit wir dieses auch wirklich begreifen: Rak beChol Awath Nafschächa thisbach we´ochaltha Wossar keWirkath Jehowuah Älohäjcha aschär nothan lecha beChol Sche´oräjcha haTame wehaTahor jochlänu kaZwi wecha´Ajol -- "nur in der Ganzheit der Begierde deiner (tierischen) Seele kannst du das Opfer darbringen und essen das Fleisch (und verzehren die Botschaft) dem Segen gemäß des Herrn (des Falls) deiner Götter, glückseelig wird er dir geschenkt in der Ganzheit deiner Tore, der Unreine und der Reine werden uns essen wie Gazelle und Hirsch" (Deut. 12,15).

So heißt es wörtlich an dieser Stelle, und das Anstößige des Textes wird in der Übersetzung wegretuschiert. Wir aber entnehmen den Sinn, daß es nicht nur um uns geht, die wir als Menschen das Fleisch der Tiere verzehren (ohne ihre Botschaft zu verdauen!), sondern um uns auch als "Fleisch" für die Götter, als "Botschaft" für sie -- und schließlich noch darum, daß all dieses Eins ist, ein Einziger Stoffwechsel eines lebendigen Ganzen, das aus der Dreiheit von Tieren und Menschen und Göttern besteht, die sich gegenseitig beleben und zur Nahrung dienen. Und in der erneuerten und befreiten Welt giebt es keinen Unterschied mehr zwischen dem "Unreinen" und "Reinen", was auch dadurch ausgesagt ist, daß der "Herr" uns beschenkt in all unseren "Pforten": Scha´ar (300-70-200), die "Pforte" oder das "Tor", wird genauso geschrieben wie Ssa´ar, das "Haar", die "Behaarung", also das Tierische an uns, von welchem der Ssa´ir (300-70-10-200) herkommt, der "Satyr".

Das Aläf kommt in Awah (1-6-5) darum so unwiderstehlich zum Ausdruck, weil es mit dem Waw-Heh verbunden ist, der zweiten Hälfte des Namens, in der umgekehrten Lesung die Mitte. Und das Aläf steht an der Stelle des Jah (10-5), so daß es die Einheit des Geeinten mit dem Abgetrennten ist, die uns reizt, und unser innerster Wunsch hat nie etwas anderes jemals begehrt.

Tha´awah (400-1-6-5)
Tha´awah ist das Substantiv von Awah, "Verlangen, Begierde, Gelüst, Leidenschaft, Lust" -- und als Adjektiv "Begehrenswert, Angenehm, Lieblich, Anziehend, Reizend". Als Verbalausdruck ist es The´awäh und The´uwäh, was bedeutet "du begehrst, du wirst begehrt (zweite Person männlich)" und "sie begehrt, sie wird begehrt (dritte Person weiblich)". Mit der grammatikalischen Laune, das Thaw, die Vierhundert, zu Beginn eines Verbum im Imperfekt sowohl für die zweite Person männlich als auch für die dritte Person weiblich zu gebrauchen, stellt das Alte Hebräisch eine Identität her zwischen den beiden und kehrt um den Raum der Beziehung zwischen dem Du, das als Männlich-Jenseitiges anwesend ist, und dem Sie, das obwohl Weiblich-Diesseitig gerade nicht da ist. Das Weibliche gilt der Tradition auch als das Sinnliche und Sichtbare in jeder Erscheinung, das Männliche aber als das nur zu ahnende Verborgene im Wesen, und hier ist es vorhanden als Du, während Sie als Abwesenheit und das heißt auch: in ihrem unantastbaren Geheimnis vorkommt.

Das Wort hören wir schon in der zweiten Schöpfungs-geschichte, wo vom "Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen" gesagt wird: wather´äh ha´Ischah ki tow ha´Ez leMa´achol weki tha´awah Hu la´Ejnajm wenächmad ha´Ez lehasskil wathikach miPrijo wathochal wathithen gam le´Ischah imoh wajochal -- "und die Frau sah, daß gut der Baum war für das Essen, und daß er begehrenswert war für die Augen, und angenehm war der Baum, um erfolgreich zu werden, und sie nahm von seiner Frucht, und sie aß, und sie gab auch ihrem Manne mit ihr, und er aß" (Gen. 3,6). In der Mitte der Dreiheit von "Gut" und "Begehrenswert" und "Angenehm" steht Tha´awah hier, und die Wendung weki tha´awah Hu la´Ejnajm muß auch heißen: "und trotzdem begehrt sie ihn in Bezug auf die Quellen". Auch wenn uns ha´Ischah, die "Frau", hier als die (von der Schlange) verführte Verführerin vorkommt, die ha´Ischah, "ihren Mann" (siehe die Wurzel Aläf-Schin, 1-300) in das Verderben mit hinein reißt, so wahrt sie dennoch ihr Geheimnis, das sich uns dann erschließt, wenn wir lesen: "und du begehrst dennoch nur Sie wegen der Quellen". Damit ist das "männliche" Du in uns gemeint, das die "Erinnerung" mit sich bringt, denn Sachar (7-20-200), das "Männliche", ist im Hebräischen mit dem "Erinnern" identisch.

Frei können wir sprechen die "Frau", wenn wir uns daran erinnern, daß der "Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen" vom "Baum des Lebens" getrennt werden mußte, damit wir die beiden wieder vereinen. Und damit geht es schon über die Dreiheit hinaus in die Vierheit, denn die ursprüngliche Einheit des Baumes "in der Mitte des Gartens" (Gen. 2,9) ist Eines, die Trennung der beiden sind zwei, und die Wiedervereinung der beiden ist dann das Vierte. Und wenn wir die Sünde des Anfangs mit der Bestie des Endes vergleichen, so gilt für beide dasselbe: "die Bestie, die du gesehen hast, sie war, und sie ist nicht, und sie ist (immer) im Begriff aus dem Abgrund heraufzusteigen, und in die Verirrung verführt sie" (Apo. 17,8). Än kai uk estin -- "sie war, und sie ist nicht" -- das heißt auch: die Trennung der beiden Bäume war einer Tatsache gleich, doch hat sie keinen Bestand, und wer an ihr festhält, der geht in die Irre.

Oj (1-6-10) und Ojah (1-6-10-5)


"Wehe! (Klageruf, Angstruf)" -- so heißt es im Wörterbuch. Oj ist aber eher ein Warnruf, die ursprüngliche und verlorene Einheit durch uns selber hindurch (die Sechs) mit der Gegenwart der Zehn zu verbinden, mit der doppelten Fünf, mit der Essenz von Hier und von Dort, die beiden wesensgleich ist. Wenn wir das Jod am Ende nehmen als Suffix für "Mein", dann ist es "mein Entweder-Oder", das mich die ganze Zeit meines Lebens niemals verläßt. Wir spüren den tiefen Ernst, der damit verbunden ist, und gerade weil damit zu spaßen nicht ist, versucht man es zu verhöhnen.

Hören wir als ein Beispiel die Stelle, wo Bil´om ausruft: Oj Mi jihejäh missumo El -- "Vorsicht! wer wird es sein, der eingesetzt wird als (Gottes)Kraft der Beziehung?" -- oder: "Wehe! wer setzt ihn ein, den Gott und die Richtung dahin?" (Num. 24,23). Denn wohl ist es wahr, daß der Satz gilt: "der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde" -- von allem Sagbaren muß hier auch das Gegenteil gelten -- und daß die Gottesbilder der Menschen unendlichen Schaden anrichten, aber trotzdem lohnt sich der Einsatz für diesen "Gott", der zugleich die "Kraft" ist in jeder "Beziehung" (siehe die Wurzel Aläf-Lamäd, 1-30).

Während das Oj öfter erklingt, hören wir Ojah, die weibliche Form (denn das Schluß-Heh ist die weibliche Endung) nur ein einziges Mal, in der Liedstrofe, die da heißt: Ojah li ki garthi Mäschäch schachanthi im Ahalej Kedar -- "Weh mir! da ich ein Fremdling der Anziehung war, bewohnte so lange die Zelte der Trübung" (Psalm 120,5).

On und Owän (1-6-50)


Wir können das Waw und das Nun, die Sechs und die Fünfzig, als Endung verstehen, und dann ist hier On (1-6-50) zu erwähnen, die "Zeugungskraft", die "Potenz", und Owän, genauso geschrieben, der "Betrug" und die "Täuschung" -- die darin besteht, daß Unklarheit herrscht über das Eine, das Aläf, das "Prinzip des Stieres". Und tatsächlich haben wir ja die Potenz des Stieres auf die abscheulichste Weise verstümmelt, und die Kastration des Stieres und seine Verwandlung zum Ochsen, der den Pflug ziehen muß, ist als Ur-Sünde dem Essen vom Baum der Erkenntnis von Vorteil und Nachteil gleichzusetzen. Nicht umsonst ist der erste Sohn von Chawah (das ist die "Eva") ein Ackerbauer, und so wie den Adam zum Essen der begehrten Frucht, so hat sie auch den Kajn zur Ermordung des Häwäl verführt, das ist der Nomade, der die Tiere nicht einsperrt, sondern mit ihnen zieht -- siehe Näheres dazu in der zweiten Abteilung, bei den Wurzeln Bejth-Lamäd (2-30), Aläf-Nun (1-50) und Kof-Nun (100-50).

I und Ej (1-10)


I heißt "Insel" und "Küste", es ist die Verbindung und Trennung von Meer und Land, die auch Sfären getrennt lebender Wesen sind, sich hier aber treffen -- und Ej (oder Aj) ist die Frage "Wo?" und auch "Welche?" Wo treffen sie sich? das heißt immer auch: wie treffen sie sich? und welche sind es, die sich da treffen? I (1-10) ist im modernen Hebräisch ein Verneinungswort und entspricht unserem "Un-" in Zusammensetzungen wie "Unmensch, Unwesen, Unhold" -- was uns lehrt, daß die Begegnung verfehlt werden kann. Und immer dann, wenn wir als Küstenbewohner die Fische bloß noch als "Protein-Quelle" sehen und vergessen, daß so wie sie heraus gefischt werden auch wir heraus gefischt werden in eine andere Welt, die sich zu der unseren so ähnlich verhält wie das Festland zum Meer -- immer dann ist die Begegnung verschiedener Sfärenbewohner bloße Verneinung gewesen.

An einer einzigen, relativ späten Stelle der Schrift ist das I (die 1-10) als "Wehe!" verstanden, als eine Nebenform von Oj (1-6-10), und dort heißt es: I lach Äräz scheMalkäch No´ar weSsorajch baBokär jochelu -- "Weh dir! du Land, dessen König ein Knabe und dessen Fürsten am Morgen schon zechen" (Koh. 10,16). Dies ist nicht nur politisch zu sehen, sondern auch psychologisch und in Bezug auf den einzelnen Menschen, das Psychogramm einer Szene, die sich innen und außen abspielt. Und I (die Eins-Zehn) ist doch auch "mein Aläf, meine Einheit", worin die Tendenz zur Insel-Bildung und zur Isolation angelegt ist, denn ich kann hier in Wirklichkeit noch keine Einheit "Mein" nennen. Das Wort erklingt erstmals, da der "Herr" an Kajn die Frage stellt: Ej Häwäl Achicha -- "Wo ist Häwäl, dein Bruder?" (Gen.4,9). Und das muß auch heißen: "die Insel von Häwäl, deinem Bruder" -- suche sie nun in dir selber, da du vermeintest, sie zerschlagen zu können, und täusche dich nicht mehr, denn auf ewig bleibst du ein Nomade: Na wanad thihejäh wa´Oräz -- "heimatlos und ein Wanderer wirst auf Erden du sein" (Vers 12).

  1   2   3   4   5   6   7   8   9   ...   31


Verilənlər bazası müəlliflik hüququ ilə müdafiə olunur ©kagiz.org 2016
rəhbərliyinə müraciət