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Die dunkle Seite des Urlaubsparadieses Bali


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tarix12.06.2016
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Die dunkle Seite des Urlaubsparadieses Bali
Für deutsche Urlauber ist Bali ein Ferienparadies. Kristallblaues Wasser, weiße Strände, westlicher Standard in den Luxushotels. Was die Touristen nicht ahnen: nur zwei Autostunden entfernt, im Innern der Insel werden psychisch kranke Menschen eingesperrt, misshandelt und angekettet. Ihre Krankheit gilt als Strafe der Götter, und die Angehörigen, die in bitterer Armut leben, meiden ihre Nähe. Sie wollen sich vor dem Kranken schützen, und den Kranken vor der Gemeinschaft. Ein funktionierendes Gesundheitssystem gibt es auf Bali nicht. Die angesehene Psychiaterin Luh Ketut Suryani hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ausgestoßenen zu befreien oder zumindest ihr Leid zu lindern, indem sie ihnen Medikamente bringt. Unterstützt von ihren Mitarbeitern, die die Unglücklichen ausfindig machen, reist sie in die entlegenen Dörfer, spricht mit den Familien, lässt sich die Geschichte der Kranken erzählen und setzt ihre Diagnose wie ein Puzzle zusammen. Ihre Aufklärungsarbeit scheitert meist an den religiösen Überzeugungen der Hindus, nach denen eine psychische Krankheit durch böse Geister entsteht. Wann immer möglich nimmt sie ihre Schützlinge mit, und bringt sie in der einzigen staatlichen psychiatrischen Klinik des Landes unter. Zwar gibt es dort nur zehn Ärzte für 400 Patienten, und die Zustände sind aus westlicher Sicht katastrophal, aber die Kranken entrinnen für einige Zeit ihrem Martyrium im Heimatdorf.
Vom 3.- 15. August werde ich nach Bali reisen und Frau Prof. Suryani bei ihren Patientenbesuchen begleiten. Das Phänomen psychischer Krankheiten in anderen Kulturen und den Umgang damit ist seit langem ein Thema welches ich konkret vor Ort erfahren und meinen StudentInnen, durch eine empirische und theoretische Reflektion, vermitteln möchte. So war ich in den vergangenen Jahren u.a. im Südpazifik auf den Cook-Inseln (Maxime: Jeder hat Verantwortung für die Integration psychisch Kranker in die Gemeinschaft.), in Ostgrönland (höchste Suizidquote bei Kindern und Jugendlichen weltweit), oder Äthiopien (Psychisch Kranke kommen in den Knast und nicht in die Klinik.). Ein weiteres Anliegen ist das, was als „transkulturelle Sensibilität“ oder „transkulturelle Psychiatrie“ bezeichnet wird, vor Ort zu studieren, da dies für ein Krankheitsverständnis, gerade bei Menschen mit einem Migrationshintergrund, entscheidend ist.  Wir können unser medizinisches Wissen in der Mitte Europas nicht einfach auf andere Kulturen übertragen. Dies führt zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen, fehlerhaften Diagnosen und Therapien. Der kulturelle Hintergrund eines Patienten muss immer miteinbezogen werden. Ein weiterer Grund dieser Reise ist, dass der Umgang mit psychisch Kranken in Bali viel mit meinem „Spezialgebiet“, dem Zusammenhang zwischen „Armut und Gesundheit“ zu tun hat. Die Menschen dort werden letztlich auch deshalb brutal ausgegrenzt, weil den Familien aufgrund ihrer ökonomischen Lage, gar nichts anderes übrig bleibt. Armut macht zudem psychisch krank und psychische Krankheit führt häufig zu Verarmung und dies kulturübergreifend, auch in Deutschland. (Zum Verständnis: Ich kümmere mich seit fast 20 Jahren um alleinstehend Wohnungslose und in diesem Kontext auch um psychisch „auffällige“ Menschen und Menschen „ohne Papiere“ im Rhein-Main Gebiet und versuche dies auch in die politische Diskussion einzubringen (siehe www.armut-gesundheit.de). Während meines Aufenthaltes werde ich wieder ein Tagebuch schreiben, dass zeitgleich auf der Homepage der Hochschule Rhein Main Fachbereich Sozialwesen veröffentlicht wird.

Luh Ketut Suryani ist in Indonesien eine bekannte und charismatische Persönlichkeit, hat früher die Psychiatrische Abteilung an der Universität in Denpasar geleitet und wurde durch Zufall auf die menschenunwürdige Situation psychisch Kranker aufmerksam. Sie gründete ein eigenes Institut und finanziert mit dem Geld, das sie mit der Behandlung zahlungskräftiger Patienten (auch Touristen) verdient, einen Teil ihrer Arbeit in den Bergdörfern. Leider hat die Regierung, die das Projekt zwei Jahre unterstütze, vor kurzem die Zahlungen eingestellt, so dass sich Frau Prof. Suryani bei ihrer täglichen Arbeit mittlerweile vor schier unlösbare Probleme gestellt sieht und dringend auf Unterstützung angewiesen ist. Deshalb wird ein weiteres Ziel meiner Reise, eine etwaige Kooperation mit unserer Hochschule, Fachbereich Soziale Arbeit sein, eventuell auch verbunden mit einer konkreten Spendenaktion.



Prof. Gerhard Trabert ; Wiesbaden, Juli 2013; Gerhard.trabert.hs-rm.de


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